Lale Jo Kirschner: Empty Shoebox.
Pförtnerhaus, Fabrikstr. 17, Freiburg.
Finissage am Samstag 11. April 2026, 19.00 bis 21.00 Uhr.
Vier Uhr morgens. Von weitem leuchtet der kleine Raum in die Nacht wie ein Lebenszeichen. Lila, rosa, rot. Was man so durch die Haut sehen würde, wenn man durch sie in den Tag schauen könnte. Und vielleicht konnten wir das ja mal, früher, bevor wir wussten, wie die Luft riecht und die Welt klingt, als für uns noch ein anderes Herz schlug.
Tatsächlich atmet die Installation „Empty Shoebox“ von Lale Jo Kirschner (*1997) eine bemerkenswert ursprüngliche Sinnlichkeit. Dabei ist das Material, mit dem die in Freiburg lebende Künstlerin hier bevorzugt arbeitet, alles andere als sensibel: transparente PVC-Folie, eher fest als weich. Entsprechend störrisch verhält sich das stabile Material beim Zuschneiden und Zusammenfügen mit Heißkleber und Bügeleisen. Für Kirschner ist das kein Problem. Im Gegenteil. Das Handgemachte ist zentral für ihre Arbeiten, die sie im Offspace Pförtnerhaus zeigt, denn es geht hier nicht allein um die Formen im Raum, sondern auch um ihre Schatten, die das Licht an die Wand zeichnet.
Es sind ins Riesenhafte verzerrte Extremitäten von Körpern – eine Hand, die scheinbar durch die Decke sticht, ein Fuß am Fenster, Brüste vor der Wand. Sie bespielen und kreieren zugleich einen maximal durchlässigen Raum, den Besuchende nur betreten können, indem sie Teil von ihm werden. Dann gibt es kein Außen dieser Arbeit mehr. Selbst das intensive Licht dringt nicht nur in Form von elektromagnetischer Strahlung in den Körper ein (Lichtinstallation: Raphael Münch Gutierrez), sondern auch auf Umwegen, durch ein hohes Krispeln, Fiepen und Sirren, das die Leuchtröhren unter der Decke kaum wahrnahmbar von sich zu geben scheinen, verstärkt durch ein Mikro, als Loop aus einer Boombox am Boden wispernd. Oder reflektiert von den silbern gestrichenen Wänden, die im hinteren Raum des kleinen Gebäudes in tiefem Blau strahlen.
An der Wand hängt dort eine transparente Acrylglasbox, auch hier Hände, Füße und Brüste, diesmal mit klarem Heißkleber auf die Außenfläche gezeichnet. Es wirkt wie ein reduziertes Miniaturmodell des Raumes, der durch das Schaufenster zur Straße hin einsehbar ist. Bewegt man sich vor dieser Box mit der Taschenlampe eines Smartphones, gerät der gesamte Raum in Bewegung und mit ihr die Wahrnehmung zwischen Ding und Schatten, Schwerkraft und Gleichgewicht, Logik und Emotion.
Die „Empty Shoebox“ ist nicht leer, sondern gefüllt mit Erinnerung, Erwartung und Imagination. Dass Lale Jo Kirschners Installation derzeit die ganze Nacht über ins Quartier leuchtet, ist übrigens einer defekten Zeitschaltuhr geschuldet. Das hat etwas zutiefst Beruhigendes. Hier ist immer jemand zuhause, und sei es nur die eigene Vorstellung.




