Daniel Laufer: Zeitfragmente. Meditationen über das Medium Film

Daniel Laufer, The Geometry of Hope, 2022, Filmstill, Courtesy the artist, © Daniel Laufer
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7. April 2026
Text: Peter Boué

Daniel Laufer: Zeitfragmente.

Kunsthalle Lingen, Kaiserstr. 10a, Lingen.
Dienstag bis Freitag 10.00 bis 17.0 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

www.kunsthallelingen.de

Daniel Laufer, The Geometry of Hope, 2022, Filmstill (Ausschnitt), Courtesy the artist, © Daniel Laufer

Daniel Laufers Film „The Geometry Of Hope“ beginnt mit einer Totalen auf ein großes Fachwerkhaus, inmitten einer Landschaft im weichen, abnehmenden Licht des frühen Abends. Man befindet sich sofort im 19. Jahrhundert. Auf seiner ersten Ebene handelt der Film von der „Judenbuche“ nach Annette von Droste-Hülshoff (1842) und erzählt sie in Motiven nach, wobei die Stringenz und die Chronologie der Ereignisse aufgehoben sind zugunsten einer Erzählung, die ihren Schwerpunkt verlagert hat. Die handelnden Personen, so die Frau des Toten, sprechen ihren Text teils ohne ein Gegenüber, oder der Text des Buches wird eingesprochen. Jedes Bild ist pure Präzision in Dekor und Licht, selbst der Ort des Drehs ist der Originalschauplatz des historischen Mordfalls im Buch. In jeder Einstellung aber, in jeder Faser des Films sozusagen, wird man gewahr, dass es dem Film nicht nur um das Wiedergeben der Geschichte der Beteiligten geht, sondern um ihr Verhältnis zur Natur und zu sich selbst. Der Kamerablick bewegt sich immer in einer Distanz zu den handelnden Personen, den Räumen, den Gebäuden. Die Sprache selbst folgt weniger der Emotion der Protagonisten, sondern einem Grundton, der in dem Einsatz sparsamer, aber fast immer gegenwärtiger Musik ihr Gegenstück findet.

Die Filme von Daniel Laufer, geboren 1975 in Niedersachsen, sind auf eine sehr präzise Weise Meditationen über das Medium Film, sein Material und seine Herstellung. Denn die Werke seiner Ausstellungen bestehen nicht ausschließlich aus ihrer Ein- oder Mehrkanalprojektion, sondern immer auch als Zusammenspiel von Film, Objekten, Performance – und Malerei, denn Laufer zitiert in seinen kunstgesättigten Filmbildern auch die in früheren Zeiten der Filmgeschichte gebräuchliche Art der Matte Paintings, bei denen Ölfarbe auf Glas oder Spiegel für künstliche Hintergründe verwendet wurde.

Die Kunsthalle Lingen zeigt als eine Kooperation mit dem Ausstellungsraum RIB in Rotterdam fünf Installationen Laufers aus den letzten zehn Jahren, die jeweils in ihren Themen der Filme unterschiedlicher nicht sein könnten. Darunter sind „MacGuffin Of A Daydream“ (2023), eine Art Dystopie, und „Timeline“ (2019), in dem es um das Zeitreisen geht. Im offenen, hohen Raum der Kunsthalle werden die Filmprojektionen mit Objekten wie Möbeln, Bildern oder Storyboards ergänzt, so dass einerseits Situationen auch physisch erfahrbar sind, andererseits auch die Geschichte selbst, denn Laufers aufeinander abgestimmtes künstlerisches Verfahren eines irregulären, unvermuteten Versetzens von Bildern ineinander öffnet hier Raum und Zeit in die Historie.