Yann Stéphane Bisso, Mosaïque, présence, absence,
Kunstmuseum Luzern, Europaplatz 1, Luzern.
Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 11.00 bis 19.00 Uhr.
Bis 8. Februar 2026.
www.kunstmuseumluzern.ch
Für Yann Stéphane Bisso (*1998) hat seine künstlerische Arbeit viel mit der Idee eines Mosaiks zu tun. Alles, was er sieht, liest und hört, was ihn in Kunst, Geschichte und Politik umtreibt, was er erlebt oder als Verlust erinnert, geht in seine Arbeiten ein und bleibt dort als materielle Spur sichtbar, oder wenigstens als das Fragment einer Erzählung. Entsprechend dicht wirken die Gemälde, die derzeit in seiner Soloschau im Kunstmuseum Luzern anlässlich der Verleihung des Kiefer Hablitzel | Göhner Kunstpreises zu sehen sind.
Bisso wurde in Kamerun geboren, wuchs in Frankreich auf und lebt und arbeitet heute in Genf, wo er 2022 an der HEAD seinen Master machte. Der Ort seiner Landschaftsbilder ist das diasporische Terrain zwischen Herkunft und Ankunftsdestination, Übergangszone und unentrinnbares Gelände gleichermaßen, weich und haltlos wie die Wolken, die sich bedrohlich in Bissos Bildern auftürmen, bevor sie zu Gebirgen mutieren, durch die winzige Figuren wandern, oder sich als Schemen von Booten entpuppen, die auf nebligem Meer treiben. Die Wasserspiegelung eines anderen Bootes zerfließt auf demselben Gemälde zur Form einer Sanduhr. Das symbolische Repertoire des Surrealismus und der halluzinierende Blick des Magischen Realismus sind bei Bisso immer präsent, auch im Viereinhalb-Meter-Panorama „Un second lieu …“, einer bewegten und dennoch seltsam symmetrischen Traumlandschaft, in die sich drei rätselhafte Himmelskörper verirrt haben.
Vor diesem Gemälde stehen wie interessierte Zuschauer 27 Skulpturen aus je vier quadratischen Bildern, die Bisso zu Kuben verschraubt und mit recycleten Stuhlbeinen versehen hat. Jedes dieser hüfthohen Malereidisplays ist einem Objekt aus Kunst, Kult oder Kunsthandwerk gewidmet, das Bisso ausgehend von einer Fotografie auf Leinwand brachte und dann dreimal kopierte. Als Vorlagen dienten ihm jeweils das vorherige Bild, so dass die Beziehung zwischen Objekt, Abbild und Kopie durch immer neue Zustände der Wiederholung zunehmend unscharf wurde. Umkreist man die „27 Figures S/O“ im Raum wird zugleich die zeitliche Dimension dieser Malerei erlebbar. Bild für Bild verändern sich die Motive und wirken in der Abfolge wie Super-Slowmotion-Animationen der Objekte, die sie in den Blick rücken. Afrikanische Skulpturen, Masken, Werkzeuge, Pflanzen. Es sind Loops ohne Anfang und Ende, in denen sich die Hierarchie der Perspektiven auflöst und das kulturelle Erbe zwischen Erinnerung und Gegenwart zirkuliert, um in immer neuen Zuständen anwesend zu bleiben.

