Cauleen Smith: The Volcano Manifesto.
Kestner Gesellschaft, Goseriede 11, Hannover.
Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 22. März 2026.
kestnergesellschaft.de
Breaking Cinema: Cauleen Smith – Experimental Film 2010-2023,
Mousse Publishing, Mailand 2025, 96 S., 25 Euro.
[—artline>Nord] Wer im Kunstmuseum Wolfsburg die Ausstellung „Utopia. Recht auf Hoffnung“ gesehen hat, konnte dort die US-Amerikanerin Cauleen Smith kennen lernen. Ihr Video „Sojourner“ von 2018 zeigt ein feministisches Utopia in der kalifornischen Wüste. Ein Kollektiv von Women of Colour will eine futuristisch anmutende Gesellschaft entstehen lassen, Auszüge aus dem Manifest des „Combahee River Collective“ von 1977 und andere Texte ertönen aus Transistorradios. Sie klagten die multiple Unterdrückung Schwarzer Frauen an und protestierten für Freiheit und Gleichberechtigung. Smith zeigt aber nicht einfach ein Video sondern schafft eine vielschichtige Rauminstallation, mit Diskokugeln, Plattenspieler, Sitzmöbeln.
Die Kestner Gesellschaft in Hannover richtet Cauleen Smith nun die erste institutionelle Einzelausstellung im deutschsprachigen Raum aus. Smith bespielt das ganze Haus. „The Volcano Manifesto“, der Titel der Ausstellung, rekurriert auf drei ihrer filmischen Arbeiten: „My Caldera“ (2022), „Mines to Caves“ (2023) und „The Deep West Assembly“ (2024). Das Zusammenspiel wird eine komplexe Meditation über die geologische und filmische Zeit, über den Abgrund von Vulkanen und den Schoß von Minen und Höhlen eröffnen, so die Kestner Gesellschaft. Ausgehend von der filmischen Trilogie haben Besucher:innen die Gelegenheit, Smiths Arbeiten der letzten zehn Jahre kennenzulernen. Darunter sind raumgreifende Videoinstallationen, neue Textilarbeiten und Zeichnungen. Smith steuert zudem das mittlerweile obligate Fassadenprojekt der Kestner Gesellschaft bei sowie einen Raum für kollektiven Austausch und Reflexion.
Die Filmemacherin und Multimediakünstlerin Cauleen Smith wurde 1967 in Riverside, Kalifornien, geboren und lebt in Los Angeles, lehrt dort als Professorin für Bildende Kunst am California Institute of the Arts (CalArts). Sie absolvierte 1991 ihren Bachelor im Filmstudium an der San Francisco State University, wurde 1994 an der University of California, Los Angeles (UCLA) aufgenommen. Dort begann sie ihren ersten Spielfilm „Drylongso“, ein amerikanisches Coming-of-Age-Drama, das sie entgegen der Statuten der Universität öffentlich auf Festivals zeigte, wo es prämiert wurde. Nach internen Konflikten schloss sie dort 1998 ihr Studium ab, 2007 studierte sie zudem Malerei und Bildhauerei in Maine. Als interdisziplinär denkende Künstlerin hat Smith in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine einzigartige lyrisch-visuelle sowie politisch relevante Arbeitsweise an der Schnittstelle von Independent Film und Bildender Kunst entwickelt. Neben Filmen schafft sie Zeichnungen, Skulpturen, Textobjekte, Assemblagen und performative Prozessionen, die sie in vielschichtigen Installationen zusammenführt. Utopische Entwürfe von Gemeinschaft und Gemeinschaftsbildung, aktualisierende Befragungen ökologischer Ausbeutung und identitätsbildende Prozesse der Schwarzen Diaspora bilden inhaltliche Bezugspunkte ihrer vornehmlich filmischen Erzählungen, heißt es weiter aus Hannover. Ihre Arbeiten wurden und werden international gezeigt. Zu ihren Einzelausstellungen zählen derzeit „Dusk of Dawn“ an der University of Richmond sowie die Mitte November 2025 eröffnete Überblicksausstellung „Dawn Echoes“ im Zeitz MOCAA in Kapstadt. Stets zentrale Themen im künstlerischen Schaffen der Cauleen Smith: Black History und Afrofuturismus.





