Der Klang als Plastik als Gesellschaft.
Städtische Galerie Villingen-Schwenningen, Friedrich-Ebert-Str. 35, Villingen-Schwenningen.
Dienstag bis Sonntag 13.00 bis 18.00 Uhr, Donerstag 13.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 18. Januar 2026.
www.galerie.villingen-schwenningen.de
Man hat sich ein bisschen daran gewöhnt, Emigrantenschicksale als eine Folge von Brüchen darzustellen. Insbesondere wenn die Flucht durch die Nationalsozialisten erzwungen wurde. Michaela Melián (*1956) bewirkt mit ihrer Arbeit „Movement“ etwas anderes. Die Arbeit wechselt die Perspektive und nutzt das Medium, in dem Susanne Lachmann zuhause war. Betritt man den abgedunkelten Raum in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen und betätigt den Trittschalter, löst man Geigentöne aus, die mit einer Reihe Glühbirnen verbunden sind. Sie sind unterschiedlich hoch und in ungleichem Abstand zueinander gehängt. Mit jedem Ton geht ein Licht an und verlöscht mit seinem Abebben. Seine Dauer und Höhe korreliert mit den Lebensstationen der jüdischen Violinistin Lachmann, die 1888 in Frankfurt geboren wurde und 1935 aus dem faschistischen Deutschland flieht. Melián hat auf einer Zeichnung die Lebensorte in eine Art Kurve übertragen, für die die Dauer von Lachmanns Aufenthalt ausschlaggebend ist sowie die Höhe des jeweiligen Ortes. Es ist also nicht allein eine Melodie, die hier zu hören ist, sondern eine Lebenslinie. Was bewirkt diese Vertonung eines Lebens? Klingt es versöhnlich oder gibt es Lachmann etwas zurück, was die Nazis ihr nahmen?
In der Ausstellung „Der Klang der Plastik als Gesellschaft“ ist es nicht die einzige Arbeit, die sich mit dem Thema der Migration befasst. „Works in Metal“ von Lamin Fofana greift dies einerseits durch die Pflanzenarrangements auf, die seitlich und vorne zwischen den Lautsprechern stehen, die Fofanas Sound eine Bühne geben. Es sind offensichtlich keine heimischen Arten. Doch der Produzent, DJ und bildende Künstler versteht die Töne andererseits als das titelgebende Metall, als ortsungebunden und bearbeitbar. „Works in Metal“ zieht einen in hypnotisch schöne Klanglandschaften. Die Räume der Ausstellung „Der Klang der Plastik als Gesellschaft“ werden von den Künstlerinnen und Künstlern jeweils anders interpretiert.. Die Klanginstallation „Anonymities“ von Hanne Lippard (*1984), die aus mehreren kreisförmig angeordneten Lautsprechern besteht, schafft durch die unterschiedlichen Intonationen des Titels einen mitunter dadaistischen, mitunter bedeutungsvollen Raum. Während Naama Tsabar (*1982) im Video „Stranger“ mittels einer doppelhalsigen Gitarre männlich konnotierte Gesten der Rockmusik hinterfragt und erinnert das Video von Raphael Sbrzesny (*1985) „L’histoire du soldat“ an Militärmärsche und die Kavallerie. Der Musiker hat auf einem Schimmel ein Schlagzeug befestigt, auf dem er Strawinskys Geschichte des Soldaten spielt. Es wirkt wie ein Mahnmal auf vergangene Kriege.

