The Body within Abstraction: Anschlussfähigkeit der Konkreten Kunst

The Body within Abstraction
Heidi Bucher, Bodyshell (Poma) at Venice Beach, Los Angeles, California, 1972 Photo: Beverly Edna Johnson and Studio Heidi and Carl Bucher, Courtesy of the Estate of Heidi Bucher
Preview > Zürich > Museum Haus Konstruktiv
21. September 2026
Text: Dietrich Roeschmann

The Body within Abstraction.
Museum Haus Konstruktiv, Limmatstr. 268, Zürich.
Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 11.00 bis 20.00 Uhr
26. September 2026 bis 10. Januar 2027.
www.hauskonstruktiv.ch

The Body within Abstraction
Eva Fàbregas, Devouring Lovers, 2023, Installationsansicht Bombon Projects, 2025, Foto: Roberto Ruiz

Im Sommer 1972 tummelten sich am Strand von Venice Beach ein paar Gestalten in sperrigen Kostümen, ganz in Perlmuttweiß. Wo vorne und wo hinten war, war kaum zu unterscheiden, allein ihre Fußspuren im Sand ließen erahnen, in welche Richtung sie im nächsten Moment laufen würden. Die Schweizer Künstlerin Heidi Bucher (1926-1993) hatte sich für die Formen ihrer „Bodyshells“ von Meerestieren inspirieren lassen, und auch Oskar Schlemmers Triadisches Ballett dürfte sie im Kopf gehabt haben sowie die Bauhaus-Idee, Skulptur in Bewegung zu bringen und in einen Dialog mit anderen Disziplinen wie Architektur, Design, Textilkunst, Mode und Tanz.

Im Zürcher Haus Konstruktiv sind Rekonstruktionen der verschollenen „Bodyshells“ nun in einer Performance zur Eröffnung der Jubiläumsschau „The Body Within Abstraction“ zu sehen, mit der das Museum zu seinem 40-jährigen Bestehen erstmals sämtliche Räume seines 2025 bezogenen Domizils im Löwenbräuareal bespielen wird. Der Titel der Ausstellung ist Programm. Immer ging es im Haus Konstruktiv darum, die Konkrete und Konstruktive Kunst nicht der Selbstreferenzialität zu überlassen, sondern ihre Anschlussfähigkeit an diese Welt aus den unterschiedlichsten Perspektiven unter Beweis zu stellen und zu zeigen, was in der gegenstandsfreien Kunst trotz dem unbedingten Vertrauen auf Wissen und Logik und der Konzentration auf Linie, Farbe und Oberfläche an Unschärfe, Wärme, Zufall und Chaos möglich ist. Eine zentrale Größe spielt dabei der menschliche Körper – als Voraussetzung künstlerischer Produktion, als Spur im Material, als Maßstab, aber auch als Ort der physischen Erfahrung eines Kunstwerks durch die Betrachtenden. Kuratorin Sabine Schaschl hat dafür zahlreiche Arbeiten zusammengetragen, darunter die biomorphen Skulpturen von Eva Fàbregas (*1988), die ihr Inneres nach außen zu kehren scheinen, Kimsoojas (*1957) „Meta-Painting“ als räumliches Ensemble von Resultaten körperlicher Arbeit in Kunst, Textil- und Landwirtschaft sowie eine Videoarbeit von Bruce Nauman (*1941), die den Künstler beim minimalistischen Square Dance auf einem am Boden markierten Ein-Quadratmeter-Dancefloor zeigt. Erzählerisches Potenzial entfaltet auch Steven Parrinos (1958-2005) riesiges Gemälde „Candy Stevens (Pink Disaster)“ von 1988. Es ist Teil der Werkgruppe der „Misshaped Paintings“, für die Parrino monochrome Bilder von der Leinwand abspannte, verzog und mit zahlreichen Falten als Spuren physischer Gewalt wieder aufspannte. Der Titel spielt auf Candy Stevens an, die zweite Frau von Charles Manson, die sich lange, bevor der berüchtigte Sektenguru bestialische Morde in Auftrag gab, von ihm getrennt hatte.