Anatomy of Presence.
Schauwerk Sindelfingen, Eschenbrünnlestr. 15, Sindelfingen.
Mittwoch bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.
27. September 2026 bis 18. Juli 2027.
www.schauwerk-sindelfingen.de
„Le rêve de Fitzcarraldo“ sieht aus wie ein Alptraum, wie ihn nur die Tropen dem weißen Mann bereiten können. Henrique Oliveiras Skulptur schien aus dem gepflasterten Platz vor dem Theater in Nantes aus dem Boden zu brechen, wo keine zivilisatorischen Kräfte die Natur zügeln konnten. Die Äste dieses Totholzes griffen hingegen zum Theater hinüber.
Obgleich der 1973 geborene brasilianische Künstler als Maler begann, ist er mit Skulpturen bekannt geworden. Flache Bildträger aus Sperrholz, das er auch für die späteren Skulpturen verwenden sollte, bildeten einen Übergang und waren anfangs noch bemalt. Das Holz kommt aus den brasilianischen Favelas. Es gibt seinen Arbeiten oft eine Oberfläche, die an rissige Borke erinnert. Verwirklicht er außerhalb von Brasilien seine Arbeiten, bringt er es mit und verbindet es oft mit heimischen Hölzern.
Ausstellungen mit brasilianischen Künstlerinnen und Künstlern wie „Anatomy of Presence“ im Schauwerk Sindelfingen haben oft einen gewissen Lokalkolorit. Für Oliveira ist es dieses billige Holz, das meist für Bauzäune verwendet wird, für Vivian Caccuri (*1986) sind es Moskitos – jene die Malaria, Gelb- und Denguefieber übetragen. Caccuri verwendet Moskitonetze, die sie bestickt, aber vor allem das enervierende Summen der Insekten für Soundarbeiten. Die Künstlerin ist auch Musikwissenschaftlerin. Für Caccuri lässt sich an den Mücken eine Geschichte der Globalisierung erzählen, dabei stehen sie für die Angst vor der tropischen Natur. Sie selbst versuche mit ihnen zu koexistieren, wenn sie in Rio de Janeiro sei, erzählt sie in einem Interview. Für ihre Soundinstallation „Gatonet“, die im Schauwerk Sindelfingen zu sehen sein wird, greift sie zudem auf die improvisiert wirkenden Bündel an Kabeln und Leitungen zurück, die auch den öffentlichen Raum Brasiliens prägen und irgendwie an Luftwurzeln erinnern.
Henrique Oliveira wird hingegen einen Raum im Raum schaffen, der Teil der Ausstellungsfläche ist. Denn die gemeinsame Herkunft der drei Kunstschaffenden ist nur das eine, das andere sind die Dimensionen des Schauwerk Sindelfingen. Henrique Oliveira, Vivian Caccuri und Lucia Koch (*1966) werden darauf mit Installationen reagieren, die durch Klang, Lichtführung, Material und Farbe die Größenverhältnisse der Ausstellungsräume ausreizen. Koch kann für eine andere brasilianische Traditionslinie stehen, die des Modernismus. Die Künstlerin wird im ehemaligen Hochregallager einen Farbverlauf inszenieren, der sich ständig ändert.

