Raumordnung, Teil 1
mit Ausstellungen von Aleen Solari, Lena Marie Emrich und Julia Miorin.
Kunsthalle Osnabrück, Hasemauer 1, Osnabrück.
Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 11. Oktober 2026.
[— artline>Nord] Raumordnung ist ein sperriges, vielleicht bürokratisches Wort, ein Wort aus dem Bereich von Verwaltung und Herrschaft. Es ist eines der Wörter, denen der Sprung in postmoderne Theorien gelingt. Es entwickelt sich vom operativen zum analytischen, vielleicht sogar subversiven Wort. Heute taucht es etwa als Oberbegriff für das diesjährige Ausstellungsprogramm der Kunsthalle Osnabrück auf. Bei der Google-Suche allerdings fällt die Marginalität seiner fortentwickelten Form ins Auge: Osnabrück hat seit zwei Jahren ein neues regionales Raumordnungsprogramm, das die Flächenentwicklung im Landkreis regelt. Es bildet die verbindliche Grundlage für nachfolgende Planungen, etwa in der Bauleitplanung, im Naturschutz oder bei Infrastrukturvorhaben. Es dient der langfristigen Sicherung einer geordneten Raumentwicklung, heißt es auf der Website des Landkreises.
Auf der Website der Kunsthalle Osnabrück heißt es nun, mit fünf Ausstellungen und zahlreichen Veranstaltungen wolle man die ästhetischen, sozialen und politischen Dimensionen von Raum untersuchen: öffentliche, private oder imaginäre Räume. Dabei stünde die Frage im Zentrum, wie Räume strukturiert sind, wer sie nutzen darf und wie sie durch künstlerische Praktiken neu verhandelbar würden. Der Raum, den die Kunsthalle Osnabrück für ihre Ausstellungen nutzt, ist eine im 14. Jahrhundert errichtete Dominikanerkirche.
Die ersten drei Ausstellungen eröffnen parallel Ende Juli. Da wäre zuerst die Malerin und Installationskünstlerin Aleen Solari (*1980). Sie schöpft ihre Motive aus der Pop- und Alltagskultur. Sie wolle Kunst als gemeinschaftliche Praxis etablieren, heißt es auf der Website der Kunsthalle. Dazu passt ihr Vorhaben, im Kirchenschiff auf performative Weise städtischen Orten wie Kneipe, Spielothek und Marktplatz nachzuspüren. Lena Marie Emrich (*1991) beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit architektonischen Eingriffen, die unsere Wahrnehmung manipulieren. Auf der Biennale in Venedig befasste sie sich mit Pissabragae, Einbauten in Straßenecken, die das Urinieren an Mauern erschweren sollten – der Strahl prallt ab. Sie selbst hat neue Einbauten vorgenommen, die in Form und Farbe fantastisch wirken. Daran anlehnend werden neue Einbauten im Kreuzgang der Kirche und im öffentlichen Raum Osnabrücks entstehen. Für den Neubau der Kunsthalle hat Julia Miorin (*1989) gemeinsam mit Stadtbewohnerinnen ein dynamisches Spielfeld entworfen, in dem sich Elemente des öffentlichen Raums, wie Parkbänke, eine Wiese oder ein Kiosk befinden. Der Raum soll für Performances und pädagogische Arbeit genutzt werden.

