9. Triennale der Photographie Hamburg 2026.
Alliance, Infinity, Love – In the Face of the Other.
Diverse Orte, Hamburg. Bis 22. September 2026. 2026
[— artline>Nord] Zum neunten Mal findet in Hamburg die Triennale der Photographie statt. Initiiert von F.C. Gundlach, dem Gründer und Stifter des Hauses der Photographie, zeigte diese Überblicksschau in den vergangenen Jahren eine Fülle von oft themenbezogenen Ausstellungen mit und zur Fotografie, woran sich nach und nach immer mehr Museen und Ausstellungsräume beteiligten. Motiv und Kontext wurden von den zentralen Ausstellungen in den Deichtorhallen vorgegeben, auch mit internationalen Kurator:innen – vor drei Jahren war das die früh verstorbene Koyo Kouoh, die vor ihrem Tod noch das kuratorische Konzept der aktuellen 61. Biennale di Venezia entwickelt hatte.
„Fotografie ist ein Medium, mit dem das Wunderbare, das Verletzliche und das zutiefst Menschliche geteilt werden kann“, schreibt Mark Sealy, Kurator der titelgebenden Triennale-Ausstellung „Alliance Infinity Love – In the Face of the Other“. Neben der Gegenwartsfotografie geht es hier auch zurück in die 1960er Jahre. So werden drastische und surreale Körperbilder von Eikoh Hosoe gezeigt („Ordeal Bye Bye Roses“, 1961) und das komplette großformatige Buch „Nothing Personal“ von Richard Avedon und James Baldwin von 1964, das ein beunruhigendes Schlaglicht auf die damalige US-Gesellschaft wirft. Als ausgewiesener Experte für diese Thematik präsentiert Sealy Positionen zum Thema Blackness – wie etwa die fast schwarzen Tafeln von Dawoud Bey („Night Coming Tenderly, Black“, 2017), welche die Flucht schwarzer Sklaven der USA in vollends dunkler Landschaft imaginieren. Der Blick des anderen, der über die Kamera und das Bild vermittelt wird, ist über die Fülle von etwa 35, teils raumgreifenden Präsentationen etwas, das nicht nur behauptet wird, sondern über weiterführenden Motive wie zum Thema Liebe und Gemeinschaft ihre Bestätigung findet. So auch in den Tafeln von Inuuteq Storch wie „Soon will summer be over“, 2023, der Mensch und Natur in Grönland im Kontext alltäglicher und historischer Bezüge zeigt.
Eine angeschlossene kuratierte Schau mit der Sammlung von F.C. Gundlach und Einzelpositionen von Abdulhamid Kircher und Akosua Viktoria Adu-Sanyah in den PHOXXI-Containern ergänzen das Programm der Deichtorhallen, allesamt Ausstellungen von beeindruckender Komplexität. Aber damit fängt die Triennale erst an. Weitere Museen setzen sie fort, wie die sammlungsorienterte Ausstellung von Sara Sallam im MK&G, die Fotografin und Aktivistin Franki Raffles im Museum der Arbeit oder die Schau „Bilderechos aus Peru“, welche Bilder und Dokumente aus kolonialer Zeit in unterschiedliche Kontexte setzen. In der von Corinne Diserens sehr dicht kuratierten Ausstellung „Aber ich/die Welt/ich sehe dich“ in der Hamburger Kunsthalle vermeint man tatsächlich, die Welt zurückblicken zu sehen. Es empfängt einen ein schwarz-weißer Kosmos auf schwarzem Grund mit Bildern der Fotografin Jo Ractliffe und des Südafrikaners Santu Mofokeng. Die Aufnahmen sind Bestandsaufnahmen der Landschaften – im Fall von Ractliffe im Kontext des Bürgerkriegs in Angola und der Apartheid in Südafrika bei Mofokeng – Tatorte, Rückzugsorte und Wildnis. Drucke nach Zeichnungen von On Kawara aus den 1950er Jahren erinnern auf eine erschreckende Weise an die Folgen der Atombomben in Japan. Folgerichtig wird nebenan das Uran thematisiert, in der Wissenschaft und in der Kunst durch Fotografien von Sigmar Polke und von Hiromi Tsuchida, hier mit ihren Bildern von Bäumen im Epizentrum der Atombombenexplosion von Hiroshima. Auch die Fotografie selbst ist immer wieder Thema, so etwa bei Tacita Dean und ihrem 16mm-Film „Kodak“ von 2006.
Neben dieser Gruppenschau in der Hamburger Kunsthalle, die eher ihrer eigenen Logik folgt als einem proklamierten Thema, gibt es weitere sehenswerte Ausstellungen im Sektor „Triennale Expanded“, die in zahlreichen freien Kunsträumen und Off-Galerien zu sehen sind. Hier zu nennen wären etwa die Schauen von Vanessa Amoah Opuku bei Oel Früh, Gwendolyn Phillips bei M.Bassy und The Art of Border Sabotage bei The Space.



