FIRE. From the Cosmos to the Commons
Mahnmal St. Nikolai, Willy-Brandt-Str. 60, Hamburg,
Bis 21. September 2026.
[— artline>Nord] Im Zeichen des Kosmos startete letzten Sommer die Hamburger Stadtkuratorin, Joanna Warsza, ihre Reihe „Fünf Jahre – Fünf Elemente: From the Cosmos to the Commons – vom All zum Allgemeingut“. Neben internationaler und lokaler Kunst im Stadtpark umfasste der Auftakt die Rekonstruktion einer legendären historischen Ausstellung des Hamburger Kunsthistorikers und Kulturwissenschaftlers Aby Warburg im dortigen Planetarium. Ein Fokus liegt weiterhin auf Gegen-Denkmälern sowie auf der ReferenzBibliothek zur Kunst im öffentlichen Raum Hamburgs in Zusammenarbeit mit dem Verein para-education. Mit ihrem Konzept führt Warsza das langjährige Programm für Kunst in öffentlichen Räumen der Hansestadt fort, das seit 2013 unter wechselnder Leitung (seit 2024 im Verbund mit dem Kunsthaus Hamburg) stattfindet. Ihr übergreifendes Interesse gilt dem verstärkten „planetarischen Denken“ und einer Steigerung kollektiver Verbindungen in unserer krisengeschüttelten Zeit. Schauplatz ist diesmal das Mahnmal der Kirchenruine St. Nikolai, die als zentraler Erinnerungsort in der Hamburger Innenstadt den Opfern von Krieg und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft gewidmet ist.
Die Ausstellungsinstallation „FIRE“, so Joanna Warsza, untersucht „unsere in Flammen stehende Welt“ und das „überwältigende Gefühl einer drohenden Apokalypse“, die für viele indigene Menschen heute längst eingetroffen sei. Die beteiligten internationalen und Hamburger Künstler:innen Hala Alnaji, Saodat Ismailova, Nikita Kadan, Hamedine Kane, Annette Kelm, Lene Markusen, Mark Morris, Neda Saeedi, Mikołaj Sobcza sowie Cecilia Vicuña und Coco Bergholm entwickeln vor dem Hintergrund vergangener und aktueller Katastrophenszenarien Visionen für ein friedliches Miteinander auf unserer gemeinsamen Erde im Bündnis mit den lebenserhaltenden Kräften der Natur. Die Idee, das aus der Asche, die die Brände der Zerstörung hinterlassen haben, existenzielle Wandlung erwachsen muss, manifestiert sich hier mehrfach. So gestaltet die ökologisch engagierte chilenische Dichterin, Künstlerin und Aktivistin Cecilia Vicuña gemeinsam mit der Wandmalerin Coco Bergholm aus dem Hamburger Gängeviertel ein Großbild für die Gedenkstätte. Das dafür verwendete Malmaterial enthält Asche von Waldbränden im Amazonas: ein Verweis auf die verheerenden Folgen massiver Abholzung für den Klimawandel.
Die Verbrennung „verbotener“ Bücher in der Nazi-Zeit rückt die Serie der Berliner Fotografin Annette Kelm mit Covern einst verfemter Bände in den Blick: ein visueller Aufruf zur Wahrung und Verteidigung der Ausdrucks- und Meinungsfreiheit. Vom persönlichen zum weiter gefassten weiblichen Erleben reicht der multimediale Beitrag „Cycle of Warmth“ der in Hamburg lebenden dänischen Filmemacherin Lene Markusen. Während das Netzwerk flirrender Sonnenlicht-Signale der usbekischen Künstlerin Saodat Ismailova ebenso von Migration und den langen Schatten des kolonialen Erbes erzählt wie von den Energien kollektiver Erinnerung und geteilter Narrativen, die Gemeinschaft schaffen und Widerstand gegen Umweltzerstörung anfachen. Auf dem Hammaburg-Platz um die Ecke entsteht erneut ein Sonnenblumenfeld der in New York lebenden ungarischen Pionierin der Environmental Art Agnes Denes als zukunftsträchtiges Symbol der Erneuerung. Der Bogen rundet sich im nahegelegenen Projektraum Admiralitätstraße 75 (Kuratorin der Kooperation zu „FIRE“: Anna Nowak, Direktorin des Kunsthauses Hamburg) mit dem eindringlichen Schattenspiel „Keiner rannte“ des in Hamburg ansässigen sibirischen Künstlers Andrey Klassen, das das Phänomen „Feuer“ von Platons Höhlengleichnis und dem großen Hamburger Brand 1842 ausgehend zwischen tödlicher Destruktion und Befreiung aus der Krise beleuchtet.




