Franziska Nast: Schicksalssalon. Kunstpreis der Stadt Nordhorn 2025.
Städtische Galerie Nordhorn, Vechteaue 2, Nordhorn.
Dienstag bis Freitag 10.0 bis 17.00 Uhr, Samstag 14.00 bis 18.00 Uhr, Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 2. August 2026
[— artline>Nord] Die Hamburger Künstlerin Franziska Nast (*1982) ist die diesjährige Kunstpreisträgerin der Stadt Nordhorn. In ihrer Einzelausstellung „Schicksalssalon“ in der Städtischen Galerie vereint sie neue und bereits bestehende Arbeiten. Dabei wird schnell deutlich: Bei Nast sind Kunst, Leben und Arbeit eng miteinander verwoben. Nast studierte bis 2011 Bildende Kunst und Kommunikationsdesign an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Sie arbeitet als Zeichnerin, Designerin und Buchgestalterin, ist Mitbegründerin des Kunstvereins St. Pauli in Hamburg, hat das Tätowiererhandwerk erlernt und betreibt das trashige Modelabel „Fack Fushion“.
Zentrales Element der Ausstellung sind drei überdimensionale Pullover. Gleich am Eingang begrüßt die Arbeit „Grand Paradise Highway“ die Besucher. Der weiße Pulli ist mit Zeichnungen und tätowierungsartigen Motiven übersät. Auf dem Rücken steht „I love yuo“ – ein Satz, den Nasts Tochter einst schrieb. Den charmanten Rechtschreibfehler übernahm die Künstlerin bewusst und ließ ihn sich sogar auf ihren Rücken tätowieren. Tätowierungen und Oberflächen spielen in ihrem Werk eine wesentliche Rolle. Viele ihrer Zeichnungen bringt sie direkt mit der Tätowiernadel auf verschiedene Materialien auf, etwa in der Arbeit „I’m Still Waiting for Your Answer“ (2022). Eine tätowierte und mit Stickern beklebte Plastikhand-Lampe wird hier zum Bildträger, während Laserkopien, die auf Reispapier aufgebracht wurden, eine weitere Ebene der Arbeit bilden.
Einen Einblick in das Leben der Künstlerin gewährt die Arbeit „I’ve Seen That Face Before“. In einem abgedunkelten Bereich laden Sitzsäcke zum Verweilen ein. Dort hängt der zweite Riesenpullover, über und über mit Sternen bedruckt. Auf ihm ist die audiovisuelle Fotoshow aus dem Alltag der Künstlerin zu sehen. Die Videoarbeit „Rücken (Women in the City)“ (2022) lockt eher auf ungewöhnliche Weise den Besucher an. Auf drei Bildschirmen ist Nast zu sehen, wie sie ihren Rücken durchstreckt, immer wieder begleitet von krachenden Geräuschen. Das hörbare Knacken ihrer Knochen hat sie aufgenommen und zu einem prägenden Element der Arbeit gemacht. Den Abschluss bildet „Nasty Camouflage“. Für den dritten Pullover ließ Nast einen 360-Grad-Scan ihres Körpers anfertigen. Das daraus entstandene Muster erinnert an Tarnkleidung und findet sich nicht nur auf dem Mesh-Pulli, sondern auch auf den Tapeten des Raumes und einem maßgeschneiderten Anzug wieder. Mit Humor und Charme führt Franziska Nast durch ihre wilde, vor Witz sprühende Bilder- und Gedankenwelten und stellt dabei offen Fragen nach Identität, Selbstdarstellung und Individualität.

