Anne Dingkuhn im Dialog mit Wenzel Hablik. Wunderkammern und Wellenberge

Anne Dingkuhn, Nautilussegler, 2026, Courtesy the artist
Preview > Itzehoe > Kreismuseum Prinzesshof
20. Juni 2026
Text: Peter Boué

Von schwimmenden Rätseln und Gelächtern – Anne Dingkuhn im Dialog mit Wenzel Hablik.
Kreismuseum Prinzesshof, Kirchenstr. 20, Itzehoe.
Dienstag bis Sonntag 12.00 bis 17.00 Uhr.
28. Juni bis 27. September 2026.

wenzel-hablik.de und kreismuseum-prinzesshof.de

Anne Dingkuhn, ocean drift, 2026, Courtesy the artist

[— artline>Nord] Im Wenzel-Hablik-Museum in Itzehoe befinden sich eine Vielzahl von Objekten, Bildern, Grafiken und Raumarbeiten dieses ungewöhnlichen, visionären und expressiven Malers und Architekten (1881-1934). Doch seit geraumer Zeit und noch bis 2027 ist das Museum wegen Sanierung geschlossen, die Feuchtigkeit hatte zuletzt überhand genommen. Aus diesem Grund mussten Hunderte von Werken, darunter sehr große und kaum bewegliche Arbeiten, in ein Zwischenlager verbracht werden. Wie auch andere Museen in solchen Fällen zumindest Teile ihrer Sammlung anderswo und dann oft zusammen mit Gegenwartskunst zeigen, entschloss sich auch das Wenzel-Hablik-Museum zu diesem Schritt. In seiner aktuellen Ausstellung lässt es die Hamburger Künstlerin Anne Dingkuhn (*1965) in einen Dialog mit vorwiegend grafischen Arbeiten des Itzehoers Hablik treten.

Ein künstlerischer Dialog ist ein gegenseitiges Spiel des Aufeinanderzugehens und Sich-Behauptens. Bei einem historischen, schon abgeschlossenen Werk wie dem von Wenzel Habik stellt sich dies anders dar. Hier übernimmt Anne Dingkuhn den aktiven Part und entscheidet, worauf sie mit neuen Bildfindungen neben ihrem eigenen Werk reagieren will. Ihre künstlerische Arbeit entwickelte sich aus der Zeichnung „nach der Natur“. Das Ergebnis waren regelrechte Werkserien etwa zu Pflanzenanhäufungen, Blattstrukturen oder Holzmaserungen. Kaum etwas ist jedoch als fotografische Wiedergabe zu lesen, sondern als ein freies Spiel der Imagination, die von den Formen in der Natur provoziert wird. Insbesondere ist Dingkuhn von dem Wechselspiel von Innen und Außen fasziniert, was sich in ihren Objekten mit perforierten Papieren oder zunehmend den vielfältigen Folienarbeiten zeigt. Deren Transparenz eignet sich für sie, ebenso wie Fensterscheiben, als Bildträger für ihre Erkenntnismöglichkeiten über die Grenzen zwischen Innen und Außen. Die Zeichnung selbst ist immer eine Verdichtung und oft durch übereinandergelegte Schichten strukturiert, so dass der Gegenstand auch schwer erkennbar sein kann und an Abstraktion gewinnt. Tiermotive wie Vögel oder Fische, aber besonders Insekten schließen sich hier an. Sie experimentiert auch mit UV-Licht und Leuchtfarben und lässt raumgreifende Bilder im Dunkeln und Hellen erscheinen, wobei diese jeweils zwei unterschiedliche Motive zeigen.

In Itzehoe nun nähert sie sich über Wunderkammern, Projektionen und Schattenspiele den Wellenbergen und kristallinen Bergformationen Habliks – im Verständis über dessen Meere und sein Sammeln von Formen und Objekten der Natur.