Tereza Glazova bei sentiment, Zürich, an der Liste Art Fair Basel, Messe Basel, Halle 1.1.
Montag 18.00 bis 20.00 Uhr, Dienstag bis Samstag 12.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag 11.00 bis 16.00 Uhr.
15. bis 21. Juni 2026.
liste.ch
Wirklich schön sind diese Schleifenbilder nicht. Wirklich trashig aber auch nicht. Mit gebremster Akkuratesse hat Tereza Glazova für ihre Werkserie von Pseudolandschaftbildern verschiedenfarbige Geschenkbänder in Strahlen- oder Fächerform auf Stoff genäht, die Kanten zum Rechteck geschnitten, die losen Ende zu Büscheln drapiert, und nun schimmern sie in der banalen Künstlichkeit ihres Materials an der Wand wie das Verlegenheitsgeschenk einer entfernten Tante oder eine Deko-Idee vom Blumenladen nebenan. Keine Frage, Glazova beherrscht die Kunst, den Dingen jeden Raum zu verweigern, in dem sie als irgendwie eigenwillig wahrgenommen werden könnten, und gesteht ihnen zugleich keine Attraktivität zu, die über die Herkunft ihres Material aus dem Ein-Euro-Shop hinausstrahlt. Dennoch sind ihre tristen Arrangements alles andere als uninteressant. Im Gegenteil.
Tereza Glazova nutzt in ihren neuesten Arbeiten das Vorfeld des Kunsthandwerks zur Auseinandersetzung mit an Geschlecht oder Herkunft geknüpften Klischees, die auf Instagram oder in Pinterest-Foren kursieren. 1996 in Riga geboren, gewann sie bereits 2017, zu Beginn ihres Studiums an der ZHdK, das Wolfgang-Tillmans-Assignment, einen Social-Media-Fotowettbewerb der Fondation Beyeler. Bis zu ihrem Master 2023 arbeitete sie mit Julia Nusser unter dem Label Nusser Glazova zusammen. Die Skulpturen, Videos und Performances des Duos kreisten oft um Entwürfe von Weiblichkeit in der digitalen Popkultur.
Damit spielt auch eine der Arbeiten, die Glazova in ihrer Soloschau bei sentiment an der Liste Art Fair zeigen wird. „Bouquet“ besteht aus einem Bündel weißer Plastikrohre, auf denen rot bemalte Alltagsobjekte stecken, die Blüten simulieren. Der kühle Fake-Strauß bezieht sich auf einen Social Media-Trend in Lettland und Osteuropa: „Girl with a bouquet, without face“. Junge Frauen porträtieren sich dafür mit Blumen vorm Gesicht. Als Dank an die schenkende Person – oder als Einforderung von Gaben und Hingabe.



