Körpersprache.
Kunsthalle Palazzo, Bahnhofplatz, Liestal.
Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 13.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 28. Juni 2026.
www.palazzo.ch
Im Rundgang durch sechs Räume eröffnen vier Kunstschaffende einen inspirierenden Dialog zum Thema „Körpersprache“ – wobei der Begriff „Körper“ in einem erweiterten, metaphorischen Sinne verstanden wird. Sofía Durrieu, Pawel Ferus, Thomas Hauri und Anastasia Müller aus Basel, Luzern und Zürich spannen dabei einen medialen Bogen von der Malerei über Skulptur bis hin zum Theaterstück als Videoaufführung. Sie erkunden, welche Wechselwirkungen ihre Werke mit dem Publikums eingehen, und entfalten Sprachen, die weit über den blossen Gegenstand hinausweisen.
Den Auftakt gestaltet Thomas Hauri (*1974) in zwei Räumen voller grossformatiger Aquarelle in feinsten Grauabstufungen, darin wenige Farbakzente. Beim Betrachten der Bilder öffnet sich die Wahrnehmung des gebauten Raumes – Architektur verwandelt sich in einen körperhaften Organismus. In der Nahsicht der Aquarelle verschmelzen wolkenartige Farbstrukturen mit aderartigen Linien und organischen Spuren zu einer hautähnlichen Oberfläche. Eingeschlossen darin sind Erinnerungen an die Werkgenese: Abdrücke des Atelierbodens sowie Formen, die durch Frottage und verschiedene Werkzeuge in den schöpferischen Prozess eingeflossen sind.
Im dritten Raum bittet die in Basel und Buenos Aires lebende Künstlerin Sofía Durrieu (*1980) darum, die Schuhe auszuziehen. Barfuss betritt man einen bodenfüllenden Teppich mit darin eingelegten Spuren, die eine Choreographie der Bewegung vorgeben. Tänzerisch, im Rhythmus eines Metronoms, bewegt man sich durch den Raum, folgt taktilen Formen und Anweisungen an den Wänden und wird dabei selbst zur Performerin. An der Stirnwand laden schwingende Stimmgabeln zur kontemplativen Pause und ermöglichen ein vertieftes Erspüren des Körperinneren. So verbinden sich Innen und Aussen zu einem sinnlichen Gesamterlebnis.
Den grossen Saal hat Pawel Ferus (*1973) mit wenigen, aber wirkungsvollen Werken bespielt. Der Körper ist für einen Bildhauer wie Ferus ein klassisches Thema, doch der in Basel lebende Künstler fragmentiert, verfremdet und verhüllt ihn seit Jahren. Im Palazzo Liestal bildet ein grosser, hellblauer, an einer Kette hängender Kopf den Blickfang, der sich wie in Trance um die eigene Achse in verschiedene Richtungen dreht. Er ist von einem barocken Putto inspiriert, aber grob ausgeführt, schaut man in den hohlen Kopf, erkennt man sein Antlitz. Daneben stehen zwei weisse, stilisierte Figuren mit dem Titel „I say YES I say No“, die in endloses Argumentieren verstrickt zu sein scheinen. Ein in schwerem weissem Marmor gerahmtes Video zeigt den Künstler in einer Endlosschleife, wie er in einen Stein einsteigt und darin arbeitet. Virtuelles Geschehen trifft so auf analoges Kunstwerk wie beispielsweise den skurrilen Kater Darwin. Er hat zwar ein reales Vorbild, das Ferus während eines Stipendienaufenthalts kennenlernte, die Skulptur zitiert aber zugleich Bildwelten aus Comics und Animationen und erweckt mit ihrem verletzten Auge gleichzeitig Schmunzeln und Mitleid.
Den Abschluss bildet die mehrteilige Installation „Becoming Campaspe“ (2026) von Anastasia Müller (*1983). Die Künstlerin, die heute in Zürich und Luzern lebt, untersucht die Bedeutung von Schönheit unter Einbezug von Literatur, Kunst und gesellschaftlichen Normen. Schimmernde Objekte in Gestellen zitieren den Mythos von Zeus und Leda. In ihrer Liebeskomödie um die schöne Kampaspe – begehrt von Alexander dem Grossen und dem mythischen Maler Apelles, gespielt von einer nonbinären Person – befragt Müller frühere und heutige Schönheitsvorstellungen. Im letzten Raum unterzieht sich der Held Alexander einer fiktiven Schönheitsoperation. Wie die Säulenparade eines antiken Tempels stehen vor dem Screen transparente Zylinder mit unzähligen Spritzen. Sie schlagen einen Bogen vom antiken Schönheitskanon zur heutigen ästhetischen Medizin, die Körperideale machbar werden lässt.



