Katja Schenker

Katja Schenker
Katja Schenker, Volcano Street (Ssod), 2025, courtesy the artist, Foto: Martin Stollenwerk/SIK-ISEA
Porträt
2. Juni 2026
Text: Annette Hoffmann

Katja Schenker, Caryatids Go for a Swim.
Museum Haus Konstruktiv, Limmatstr. 268, Zürich.
Dienstag bis Sontag 11.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 11.00 bis 20.00 Uhr.
4. Juni bis 6. September 2026.
www.hauskonstruktiv.ch
katjaschenker.ch

Katja Schenker
Katja Schenker, Volcano Street (Fang), 2025, Courtesy the artist, Foto: Martin Stollenwerk/SIK-ISEA
Katja Schenker
Katja Schenker, Die Augen der Hand, Ausstellungsansicht, Kunstraum Kreuzlingen, 2024, Foto: Sebastian Stadler

Es ist die Hartnäckigkeit einer Sportlerin, auf die man in den Werken von Katja Schenker stößt. Sport wäre die Alternative gewesen. Doch nach einem geis­teswissenschaftlichen Studium in Zürich und Paris entschied sich Schenker, die 1968 in St. Gallen geboren wurde, doch für die Kunst. Wie ihre Mutter. Vielleicht liegt es an diesem Umweg, dass von Beginn an alle Materialien, mit denen sie bislang gearbeitet hat, von ihr selbst körperlich erfahren werden müssen. Als einer besonderen Vergewisserung, während andere vielleicht hier auf ihre Kunstausbildung zurückgreifen können.

Katja Schenkers Werke sind mit körperlichen Anstrengungen verbunden. Es entstehen Performances, Skulpturen, Arbeiten für den Innen- und Außenraum, und meist beginnt alles mit einer Zeichnung. Sie malt mit ihrem Körper, sie umfängt Säcke Zement, sie hält das Gewicht von Gesteinsbrocken aus, sie bewegt sich. Der Körper, sein Umkreis, ihre Körperwahrnehmung, die Betrachterinnen und Betrachter bei ihren öffentlichen Auftritten mit der Künstlerin teilen, sind zentral für ihr Werk. Das Harte und das Geschmeidige stehen dabei im engen Wechselverhältnis. Wenn sie eine Idee habe und sie gegen das Material durchsetzen wolle, müsse sie – so Schenker – wohlwollend und offen gegenüber dem Material werden. Ja, selbst das Material werden. Wie sehr ihre Arbeiten aus dem performativen Akt heraus entstehen, zeigen ihre Körperzeichnungen, die nun auch in ihrer Einzelausstellung im Museum Haus Konstruktiv in Zürich zu sehen sein werden. Ihnen voraus gingen Arbeiten, die während eines Stipendienaufenthaltes in London entstanden waren. In der Serie der „Jubilee Street“ zeichnete sie einen roten Umriss um ihren eigenen Körper. Außerhalb ihres gewohnten Ateliers in Zürich verortete die Künstlerin sich mit ihrem Körper auf Londons Straßen. Mittlerweile arbeitet sie mit Abdrücken. So bestreicht sie mit einem Pinsel etwa Hand und Unterarm mit Farbe und drückt diese mit einiger Kraft gegen ein an der Wand befestigtes Papier. Man sieht dem Blatt die Anspannung an. Dann reagiert sie mit dem Pinsel auf ihren Körperabdruck und erweitert diesen malerisch. Das klingt selbstbezogen, doch sind ihre Arbeiten auch durchlässig für psychische, gesellschaftliche und politische Prozesse.

Bei ihrer bislang aufwendigsten Kunst am Bau-Arbeit „Dreamer. Wie tief ist die Zeit?“ für das Atrium der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel-Muttenz erklärte sie gleich alle Vorarbeiten und auch das Begehen des Gerüstes zu einer Performance. Für die elf Meter hohe Betonstele brauchte sie technische Hilfe. Etwa 30 Kubikmeter Material sammelte und ordnete sie, um es dann Schicht für Schicht in Beton zu gießen. Es wurde erst am Ende sichtbar als die Seiten mit einer Diamantseilsäge bearbeitet wurden: Steine aus dem Bergell, Hölzer und Metalle. Lava und Tuffsteine kaufte sie wegen der Textur dazu. 2018 wurde die Stele fertiggestellt, sie hat etwas von einer Tiefenbohrung durch die Zeit, die zugleich diese sichtbar macht und die Kraft, die es brauchte, das Gestein auszubilden. In den nächsten Jahren fanden sich immer wieder Querschnitte von in Beton eingelassenen Steinen und Hölzern in ihren Ausstellungen als Bildobjekte oder Skulpturen. Drei Jahre zuvor hatte sie mit ihrer Arbeit „vesuv“ den Schweizer Performancepreis gewonnen. Die schwarz gekleidete Katja Schenker ließ einen Alabasterbrocken am Seil um ihre eigene Achse kreisen. Mit zunehmender Anstrengung kam er immer häufiger auf dem Boden auf und zeichnete dort eine Spur seines Aufpralls – das Weiche und das Harte als perfekte Verbindung.