Antifascism: Now.
Lothringer 13 Halle, Lothringerstr. 13, München.
Mittwoch bis Freitag 12.00 bis 20.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 31. Juli 2026.
www.lothringer13.com
Ist die Politik von Donald Trump faschistisch? Oder ist sein irritierender Regierungsstil eher mit Kaiser Nero oder einem Mafiaboss in Las Vegas vergleichbar? Darüber wurde vielfach diskutiert. Und während das mit dem Faschismus lange Zeit verneint wurde, haben zuletzt Autoren wie der US-Journalist Jonathan Rauch oder der Politikwissenschaftler Robert Kagan das Kind dann doch beim Namen genannt. Aber vielleicht ist das mit der Definition gar nicht so wichtig, sondern eher, dass hier jemand antidemokratisch regiert. Und dass man sich dem irgendwie entgegenstellen muss. Das legt zumindest das Kunst- und Forschungsprojekt „Antifascim: Now“ nahe, das Ende Januar in der Lothringer 13 in München gestartet ist.
Um Donald Trump geht es hier nur am Rande. Viel stärker wird nach Ost- und Südosteuropa geblickt. Auch dort gibt es starke Tendenzen zur Autokratie, zum Despotismus, zum Faschismus. Eine weitere Erklärung für diesen geografischen Schwerpunkt ist, dass der aktuelle Leiter der Lothringer 13, der Münchner Künstler Kalas Liebfried, seine Wurzeln in Bulgarien hat. Eine zentrale Idee hinter „Antifascism: Now“? Den Antifaschismus aus der linken Ecke zu holen. Denn wer vom Antifaschismus spricht, landet ebenfalls schnell bei ideologischen Debatten. Spätestens dann, wenn man diesen durch die Abkürzung „Antifa“ ersetzt, die oft als Oberbegriff für linke Strömungen dient. Wohin das führt, zeigt sehr anschaulich die Tatsache, dass es nach der Eröffnung der Ausstellung einen Schmäh-Artikel darüber im rechtskonservativen Online-Medium „Nius“ gab. Da hieß es, der Staat, die Stadt, das Goethe-Institut würden eine propagandistische „Antifa-Ausstellung“ fördern. Fast alle Beteiligten wurden im Text als „linksradikal“ bezeichnet. Dabei werden darin nur drei Projekte als „Belege“ genannt. Ausgestellt sind aber 18 installative Arbeiten. Allein aus München sind mehr als 50 KünstlerInnen, Aktivist:innen und WissenschaftlerInnen sowie mehrere Institutionen beteiligt. Zudem wird ein Teil der Ausstellung bis 2028 in 14 Länder weiterwandern, wo dann jeweils eigene Schwerpunkte gesetzt werden sollen.
Ein Symposium gab es auch. Und das alles mit der Intention, gemeinsam ins Gespräch und im Idealfall ins Handeln zu kommen. Die Kunst dient dabei als wichtiger Impulsgeber. Was in nahezu allen Fällen sehr anregend, oft motivierend, teilweise aber auch erschütternd ist. Letzteres gilt für die VR-Arbeit „Hello-82“ von Lexi Fleurs & Nikol Goldman, wo man per VR-Brille mit ansehen muss, wie russische Drohnen auf ukrainische Zivilisten schießen. Was eindeutig ein Kriegsverbrechen ist. Nur was sagt die europäische Politik dazu? Der ukrainische Künstler Nikita Kadan hat den Brunnen der Völkerfreundschaft, ein bedeutendes sowjetisches Monument, nachgebaut. Das heißt: Nur dessen strukturelles Skelett. Anstatt vergoldeter Skulpturen hat er zerbrochene Keramikfiguren daraufgesetzt, die teilweise aus Butscha stammen. Womit er subtil Kritik am sowjetischen Mythos der Einheit übt. Bojan Stojčić schaltet Anzeigen, in denen er Menschen sucht, die mit ihm über Antifaschismus sprechen. Und seine übliche Erfahrung ist, dass die Leute lieber über Alltagsprobleme reden. Aber auch das ist vielleicht ein Anfang. Es gibt ein Video von Forensic Architecture, das dabei half, den rechtsradikal motivierten Mord an einem griechischen Rapper aufzuklären. Und Jonas Höschl dokumentiert mit einer Installation eine Auseinandersetzung, die das antifaschistische Recherche-Netzwerk „recherche-nord“ mit dem neu-rechten Verleger Götz Kubitschek hatte. Es geht um den Kosovokrieg, den Versuch, die „Die Drei Pfeile“ als antifaschistisches Symbol aus den 1930ern neu zu interpretieren. Und um ein Online-Projekt, das 13 Strategien gegen den „Tech-Faschismus“ präsentiert. Dazu gehören gefälschte Bücher, Spam-Anrufe bei der US-Behörde ICE oder auch das öffentliche Tanzen. Und vielleicht ist es ja wirklich das, was dem heutigen Internet-Faschismus am stärksten widerspricht: Menschen, die mit ihrem Körper, mit Spaß und Humor den öffentlichen Raum erobern.




