Only the Lonley.
helmhaus Zürich, Limmatquai 31, Zürich.
Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.
3. April bis 7. Juni 2026.
www.helmhaus.org
Wer eine Ausstellung über Einsamkeit mit dem Untertitel „Wechselwirkung eines Zustands“ benennen kann, ist nicht gefährdet ihr anheimzufallen. Bei Roy Orbison klang dieses „Only the lonely“ 1960 noch anders, nach sehr viel Herzschmerz, einsamen Nächten und der vagen Hoffnung, dass nach all dem Liebeskummer eine neue Romanze auf einen wartet. Morgen – vielleicht. „Only the lonely“ verdoppelt das Moment des Alleinseins geradezu, doch im Helmhaus Zürich wird es zur Gruppenerfahrung. Cristiana Contu, Nathalie Killias und Selina Schlumpf haben eine Ausstellung kuratiert, die das Gefühl nicht nur dort verortet, wo man alleine ist. Und sie haben sie in eine Reihe von Veranstaltungen eingebunden, die viele Anlässe zum Reden geben und sogar zum Tanzen. Denn „Only the lonely“ hat natürlich einen eigenen Soundtrack.
Was also ist Einsamkeit? Patricia Meier (*1997) lebte 2025 für ein halbes Jahr in Köln. Sie wohnte zur Untermiete, kannte niemanden und war hier nie zuvor gewesen. Nicht immer ist Virginia Woolfs „A Room of One’s Own“ eine wirkliche Verheißung. In ihrem Video „Green Room“ beobachtet die Künstlerin sich selbst, versucht zur Ruhe zu kommen und sich besser kennenzulernen. Das grüne Zimmer hat zumindest einen Ausblick. Die gleiche Zeitspanne hat die Tunesierin Leila Temime Blili Anfang der 1970er Jahre in einer Isolationszelle verbracht. Damals engagierte sie sich in der Studentenbewegung, später wurde sie Historikerin und Professorin an der Universität von Monouba sowie Vorreiterin des Feminismus. In Esther Kempfs (*1980) Videoinstallation „5,4 m² (je crois qu’il y avait un lavabo quelques part)“ kann man in einer schmalen Zimmerflucht hören, wie Leila Temime Blili den ihr verbliebenen Lebensraum und die sich dehnende Zeit aus der Erinnerung beschreibt. Das ständige Vergegenwärtigen ihrer Situation mag ihr damals geholfen haben, sie zu überstehen.
Die Winterthurer Illustratorin Simone Stolz (*1998) hat sich eines gesellschaftlich schwierigen Schweizer Kapitels angenommen. Bis in die 1980er Jahre waren in der Schweiz die Hürden nicht eben hoch, Kinder aus ihren Familien zu nehmen und sie in Heimen und Anstalten unterzubringen. Stolz hat über ehemalige Heimkinder recherchiert, im letzten Jahr ist ihre Graphic Novel „Dazwischen die Einsamkeit“ erschienen. Es schien legitim, die Kinder vom Einfluss ihrer Familie, Freunden und der vertrauten Umgebung zu isolieren. Da hilft nur mit anderen darüber zu reden und sich diese Ausstellung anzusehen.

