Hella Berent: Empty Void.
Syker Vorwerk, Waldstr. 76, Syke.
Mittwoch 15.00 bis 19.00 Uhr, Samstag 14.00 bis 18.00 Uhr, Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.
[—artline>Nord] Linie zum Objekt, Farbe zur Fläche, Linie und Farbe und Skulptur zum Raum. Hella Berent (*1948) zeigt im Syker Vorwerk keine einzelnen Exponate, sie eröffnet ein Raumerlebnis und inszeniert eine Passage: Wege, die sie gegangen ist, Orte, die ihr in Erinnerung geblieben sind, vermitteln sich über Spuren oder kristallisieren sich in Objekten. Berents Expeditionen erstrecken sich über Kontinente und umfassen Kulturen. Formen, Farben und Material sprechen von Japan und Korea, Ägypten, Indien, Iran oder sie entwerfen mediterranes Licht, Architektur, Topographie. Zugleich vermitteln sich Kolorit und Energie der Elemente: Erde, Feuer, Wasser und Luft treten in keramischen Objekten auf, lassen sich in Zeichnungen finden, als Spuren in Farbbahnen und grafischen Momenten. So entsteht eine bildhafte Erzählung, in die buchstäbliche Schrift gestreut ist, die aber vor allem auf eine vorbegriffliche Sprache setzt. Der Titel „Empty Void“ trifft den Kern der Schau: Er kehrt das Verständnis der Leere um, verwendet die japanische Lesart: Leere ist nicht Mangel, sondern Potenzial. Raum entsteht durch Räumen. Die Lichtung eröffnet Wahrnehmung und ermöglicht Niederschrift.
Der Blick wird gedehnt, das Erfassen als Erkennen kann sich Zeit lassen. Das Publikum gleitet eher durch Atmosphären, als dass es Stationen passiert und Exponate abschreitet. Linien in Zeichnungen, rahmende und figurierende Stäbe auf dem Boden, farbig gefasste Teile der Ausstellungswände. In einer Raumecke korrespondieren Haarbüschel der Künstlerin mit Objekten. So wie Berent in Fotos ihre Haarpracht in Rückenansichten beim Flanieren fokussiert, lässt sie sie hier von Vergangenem sprechen und verleiht dem Arrangement aktuelle Präsenz. Die Protagonistin der Reise ist direkt im Spiel. Meist abstrahiert die Präsentation aber von der Autorin und kreist um Allgemeines und Archaisches, ohne zu theoretisieren. Der Untertitel „Archäologie des Bewusstseins“ bringt dies zum Ausdruck: In Denken und Gedächtnis lagern sich Sedimente der Erfahrung ab, die freigelegt werden, ohne dass sie gleich in einem Bedeutungsnetz landen. Die Fäden liegen offen aus. Berents Installation nutzt das Kellergewölbe des historischen Ausstellungsgebäudes, das wie eine Grabkammer anmutet. Hier begegnen sich Aufbewahrung und Entdeckung, hier liegen Ursprünge, Verweise auf Ereignisse, die Berents Expedition und Exposition aufgelöst haben. Hier lagern Dokumenthaftes wie Fotografien und Karten, grundlegend Symbolhaftes wie Sand, Archivbestandteile wie Kästen oder Wohnelemente wie Teppiche. Im Laufe des Rundgangs wächst ein Gefühl von Wohnlichkeit, die Wände sind Horizonte geworden, Bleiben ist Bewegung, der Blick rastlos.


