Atelier der Schlumper, Neuer Kamp 10, Hamburg.
Galerie der Schlumper, Marktstr. 131, Hamburg.
Aktuell zu sehen ist die Ausstellung „Häppchen für hungrige Augen“, bis 26. April 2026.
[— artline>Nord] Die hohe zweigeschossige Halle befindet sich im „Meat District“ des Hamburger Schanzenviertels und war einmal eine Rinderschlachthalle. Zwischen einem autonomen Kulturzentrum und einem Musikklub beherbergt sie schon seit vielen Jahren das Atelier der Schlumper, sicher eines der ungewöhnlichsten Kunstateliers. Von der Galerie im ersten Obergeschoss ist gut zu sehen, wie der helle Raum aufgeteilt ist, der Arbeitsplätze für mehr als 25 Personen bietet. In einzelne Kojen separiert, lassen sich von hier aus die unterschiedlichen Arbeitsweisen der oft schon jahrelang dort arbeitenden Künstler:innen verfolgen. Unten stehen die Tische, an denen einzeln gemalt und gezeichnet werden kann, überall dazwischen lagern Bilder oder werden gerade ausgestellt.
Der Hamburger Künstler Rolf Laute (1940-2013), der konzeptuell arbeitete und ein großes Interesse an partizipatorischen Praktiken hatte, war 1978 nach einem Projekt in den damals so genannten „Alsterdorfer Anstalten“ zu der Überzeugung gelangt, dass künstlerisch befähigte Menschen mit Behinderungen die Möglichkeiten für eine weitgehend autonome künstlerische Entwicklung haben sollten. In den Institutionen, in denen diese mit teils schweren körperlichen Beeinträchtigungen und psychischen Störungen leben, war so etwas damals noch nicht durchsetzbar, sondern ausschließlich das System der Behindertenwerkstätten üblich. Die Realität der „Inklusion“, wie wir sie heute kennen, war um 1980 eine andere. Aber auch darüber, ob kreative Produktion, die nicht als „Art Brut“ oder „Outsider Art“ von höherer Stelle gelabelt worden ist, Kunst genannt werden sollte, gingen die Haltungen weit auseinandern. Es gab heftige Diskussionen zwischen Zustimmung und Ablehnung, letztere kam besonders von Seiten des künstlerischen Fachs. Rolf Laute nahm Kontakt zu Leo Navratil auf, der im psychiatrischen Krankenhaus Gugging eine Struktur erprobte, die es ermöglichte, Menschen mit Behinderung künstlerisch frei arbeiten zu lassen. Anfang der 1980er Jahre gelang es mit der Alsterdorfer Institution auch in Hamburg eine Trägerschaft für ein eigenständig arbeitendes Atelier mit unterschiedlich Behinderten zu gründen. Das war die Geburtsstunde der Schlumper, die ihren Namen der Adresse ihres ersten Ateliers verdankten. Die Schwierigkeiten der Vermittlung ihrer Kunst wurden weniger, aber die Form und Organisation einer tragfähigen ökonomischen Struktur musste sich erst beweisen. 1998 konnten die Schlumper in der Rinderschlachthalle dann weitläufige Räume beziehen, die über eine größere Anzahl an Ateliers hinaus auch die Möglichkeit für temporäre Ausstellungen boten. Zuvor hatten die Schlumper in einer ehemaligen Schule mit weiteren Ateliers auch ein bis heute erfolgreiches Inklusions-Projekt mit der benachbarten Grundschule gestartet.
Die Schlumper galten schon vor 20 Jahren als eine Institution, denen andere künstlerisch-inklusive Projekte in der Region folgten. 2005 stellte die Hamburger Kunsthalle die Schlumper der „ersten Generation“ aus, als Überblick über 25 Jahre. Die Galerie der Schlumper antwortete kurze Zeit später mit einer furiosen Ausstellung der „nächsten Generation“ und weiteren Gruppenschauen, etwa in Prag und Chicago. So vergrößerte sich die Zahl der Sammler:innen und Interessierten. 2014 gab es die Möglichkeit, in direkter Nachbarschaft eine Galerie zu eröffnen. Unabhängig von den sich immer dichter füllenden Ateliers konnten hier nun auch kuratierte Ausstellungen gezeigt werden, die bis heute oft Arbeiten von behinderten und nicht behinderten Künstler:innen zeigen, dabei eine Vielfalt von Themen und Motiven berühren und den Bogen auch zu befreundeten internationalen Institutionen spannen.
Aktuell liegt die künstlerische Leitung des Hauses bei Anna-Karoline Pongs-Laute, die sowohl die Galerei wie die Ateliers mit ihren Assistent:innen betreut. Das sind in der Regel selbst Künstler:innen, die aber Kenntnisse in der Pflege haben sollten. Über die Mittel der Stiftung „Freunde der Schlumper“, der betreffenden Behörde der Stadt und der kirchlichen „alsterarbeit gGmbh“ hinaus werden Assistenzen, Büroarbeiten und Ausstellungen durch Verkäufe aus den Ateliers, durch Leihgebühren oder den Rechteverkauf erwirtschaftet.





