Robotic World: Spiegelbild unserer Sehnsüchte und Ängste

Robotic World
Spielzeug-Roboter Shogun Raydeen, Modellnr. 9859, 1976, Mattel, USA, Foto: Die Neue Sammlung, K. Mewes
Review > München > Pinakothek der Moderne
12. März 2026
Text: Jürgen Moises

Robotic Worlds.
Pinakothek der Moderne, Barer Str. 40, München.
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 28. November 2027.
www.pinakothek.de
Katalog: Walther König, Köln 2025, 104 S, 20,00 Euro | ca. 31.90 Franken.

Robotic World
Mark Tilden, Spielzeugroboter Roboquad, 2007, Wowwee Group, Foto: Die Neue Sammlung, A. Laurenzo
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Pepper, 2014, Aldebaran Robotics, Paris, F / SoftBank Mobile Corp. Tokio, JP, Foto: Die Neue Sammlung, K. Mewes; Spielzeug-Ro, K. Mewes
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Hideki Kozima, Marek Michalowski (BeatBots), My Keepon, 2011

Nein, von einem Roboter hätte man das nicht erwartet. Dass er einer Tänzerin unter den Rock blickt? Aber auf dem Plakat „Nouveau Salon des Cent“ von Shigeo Fukuda kann man genau das sehen. Genauer gesagt: Es ist ein Roboterhund mit menschlichem Gesicht. Ein von Sony entwickelter Aibo ERS-111, mit dem die Japaner im Jahr 1999 für Aufsehen sorgten. Die Frau auf dem Plakat ist die französische Tänzerin Jane Avril. Shigeo Fukuda hat ihre Darstellung vom Plakat „Jane Avril. Jardins de Paris“ von Henri de Toulouse-Lautrec übernommen. Anlass dafür war eine Plakat-Aktion zum 100. Todestag des Künstlers. Jetzt ist das Werk in „Robotic Worlds“ in der Pinakothek der Moderne zu sehen. Als Beispiel für eine ironische Auseinandersetzung mit dem Thema Robotik. Inzwischen gibt es vom Aibo ERS fünf Generationen. In München sind die Varianten ERS-111, ERS-210 und 220 ausgestellt, die um 2000 entstanden. Alle drei können bellen, ihre Ohren und Gliedmaßen bewegen und sehen von Generation zu Generation „natürlicher“ aus. Das vertraute Äußere soll Sympathien wecken. Ein Aspekt, der in den letzten Jahren noch einmal an Bedeutung gewonnen hat. Seitdem man Roboter verstärkt als Hilfskräfte in sozialen Kontexten einsetzt. Dafür gibt es einige Beispiele in der sehenswerten Ausstellung, die ihr Thema, die menschliche Vorstellung von Robotern sowie ihre reale Form und Funktion, in den drei Bereichen „Roboter“, „Plakate“ und „Spielzeug“ vorstellt.

Der zeitliche Rahmen ist bei den Robotern und Spielfiguren von etwa 1960 bis 2023 gespannt. Das älteste Plakat ist von 1931. Es geht hier also um fast 100 Jahre, in denen die Roboter vom Spielzeug über das Industriewerkzeug bis zum Pfleger verschiedene Rollen eingenommen haben. Was Roboter vor allem sind: Eine Projektionsfläche, ein Spiegelbild für unsere Sehnsüchte, Fantasien und Ängste. Und es ist eine gute Idee, den „echten“ Robotern in der Pinakothek Fantasie-Varianten aus dem Design und der Spielwelt gegenüberzustellen. Die echten stammen wie die Plakate aus der hauseigenen Sammlung sowie vom Lehrstuhl für Kognitive Systeme der TU München. Und sie werden – auch das eine schlüssige Idee – auf einer Roboter-Fertigungsstraße präsentiert. Die in Vitrinen gezeigten Roboter- und Raumfahrt-Spielfiguren wurden vom Galeristen Carl

Laszlo (1923-2013) und danach von Silard Isaak und Pavel B. Jiracek gesammelt. Manche sind niedlich, knuffig, andere sehen wie Krieger, Superhelden aus. Dazu gehören die mit 60 Zentimetern Höhe recht stattlichen „Shogun“-Roboter von Mattel, die japanischen Manga-Figuren nachempfunden sind. Bei den Spielzeugen aus den Sechzigern sieht man wiederum, wie groß die Weltraum-Begeis­terung damals war. Und das nicht nur in den USA, sondern etwa auch in Ungarn, wo die sich beim Anschieben aufrichtende „Holdrakéta“ entstand. Bei den echten Maschinen zählt neben Aibo ERS der im Jahr 2014 als „emotionalster Roboter der Welt“ angepriesene „Pepper“ zu den Stars. Der niedliche Bursche wurde bereits in Banken oder Altersheimen eingesetzt.

Gar nichts Menschliches an sich hat der für die Bundeswehr entwickelte „Foxbot“ von 2004. Ein schwarzer Kasten auf sechs Rädern. Und bei der für die Industrie entwickelten „Allegro-Hand“ ist vor allem ihre von der TU München entwickelte „E-Skin 500“ interessant. Diese reagiert auf Berührungen und Temperatur. Wie bei allen Erfindungen wird entscheidend sein, wofür man sie einsetzt. Dass das Wort Roboter aus dem Tschechischen kommt, aus dem Drama „R.U.R.“ von Karel Čapek (1890-1938), erfährt man im empfehlenswerten Katalog. „Robota“ bedeutet in etwa „Zwangsarbeit“. Bei Čapek sind die Roboter rechtlose Arbeiter, die am Ende den Aufstand proben. Aktuell wird das eher von der KI befürchtet, die auch in der Robotik immer mehr Einzug hält. Weshalb hier bald nicht mehr das Äußere entscheidend sein wird, sondern weit mehr, was in den elektronischen „Gehirnen“ der Roboter passiert. Und wer sie programmiert.