Annika Kahrs: Sonant.
Städtische Galerie Nordhorn,
Dienstag bis Freitag 11.00 bis 17.00 Uhr, Samstag 14.00 bis 18.00 Uhr, Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 8. Februar 2026.
[—artline>Nord] Als erkenntnisstiftende Phänomene durchziehen Klang und Musik das multimediale Werk von Annika Kahrs, das Video- und Soundinstallationen, Performance, Grafik und Glasarbeiten umfasst. Die 1984 geborene, in Berlin lebende, in internationalen Ausstellungen und Biennalen präsente Künstlerin agiert meist kollaborativ mit Musiker:innen, Wissenschaftler:innen und anderen Fachleuten aus unterschiedlichen Feldern an den Schnittstellen zwischen Mensch und Environment, Natur und Kultur, gesellschaftlichen Prozessen und individuellen wie kollektiven Lebensrealitäten. Ihre Übersetzungen akustischer und visueller Wahrnehmungen, die auch die Grenzen der Darstellbarkeit ausloten, reichen von der musikalischen Interpretation von Vogelgesang und der klanglichen Durchmessung vielstimmiger migrantischer Identitäts- und Erinnerungsräume bis hin zur tonalen Übertragung kosmischer Gravitationswellen. Die Städtische Galerie Nordhorn zeigt jetzt in einer Soloschau der Künstlerin mit dem Titel „SONANT“ die Videoinstallationen „Gravity’s Tune“ (2023) und „Les Fanfares“ (2025). Die Musik für beide schuf der Komponist Louis d’Heudières, mit dem Kahrs bereits wiederholt kooperierte.
Für „Les Fanfares“, zuletzt zur Biennale Son im Schweizer Kanton Wallis zu sehen, untersuchte sie vor Ort die geschichtlich verankerte Verbindung zwischen regionalen politischen Parteien und Bläservereinen, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgrund ihrer politischen Zugehörigkeit spalteten. In ihrem Film, der im lokalen Kontext auf die weltweit zunehmenden Polaritäten verweist, gelingt es der Künstlerin, die bis heute nachwirkende Zersplitterung der Blaskapellen in einer gemeinsamen Performance aufzulösen. „Gravity’s Tune“ wiederum, entstanden in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Physiker Keith Thorne, basiert auf der musikalischen Umsetzung des Signals, durch das Gravitationswellen 2015 erstmals akustisch erfasst werden konnten. Die Auseinandersetzung der Künstlerin mit der wissenschaftlichen Erkundung des Universums manifestiert sich auch in ihrer Siebdruck-Edition „think about the size of the universe, then brush your teeth and go to bed“ (2024): In der Mitte der einzelnen Blätter, umringt von leuchtenden Aureolen, befindet sich jeweils ein dunkler Kreis, der auch als stellares Schwarzes Loch lesbar ist. Ein weiteres wahrnehmungserweiterndes Experiment, das die Betrachter:innen dazu einlädt, die Gedanken in Richtung des bisher Undenkbaren, Unsichtbaren, so noch nicht Gehörten schweifen zu lassen – also dahin, wo sich neue Erfahrungswelten auftun.

