Silke Silkeborg. Wang Yefu: Luminary / Lichtung. Das Durchscheinende und die Nacht

Wang Yefu, aus der Serie: Luminary, 2025, Courtesy the artist, © Wang Yefu
Review > Hamburg > Parabel – Zentrum für Kunst
4. Januar 2026
Text: Peter Boué

Silke Silkeborg & Wang Yefu: Luminary / Lichtung

Parabel – Zentrum für Kunst in Hamburg,
Freitag 14.00 bis 18:00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 1. Februar 2026.

www.parabel.hamburg

Wang Yefu, aus der Serie: Luminary, 2025, Courtesy the artist, © Wang Yefu
Silke Silkeborg, aus der Werkreihe: Lichtung, 2025, Detail, Courtesy the artist, © VG Bild-Kunst, Bonn
Silke Silkeborg, aus der Werkreihe: Lichtung, 2025, Detail, Courtesy the artist, © VG Bild-Kunst, Bonn

[—artline>Nord] OFF – so leuchtet es draußen in LED-Lettern vom Turm herab, mehrfarbig im Wechsel, darunter schwach zu sehen das ON. Die Ausstellung „Luminary / Lichtung“ verkündet so das Licht und die Abwesenheit davon in programmatischer Weise. Innen dann, im ehemaligen Kirchenschiff, hängen großformartige Zeichnungen in Schwarzgrau, die in reduzierter, teils abstrakter Bildsprache durchaus Rätsel darüber aufgeben, was zu sehen ist. Der chinesische Künstler Wang Yefu (*1962) arbeitet mit Graphitstiften, einige auch mit Wasser vermalbar. Er nutzt das ganze Farbspektrum dieses Mediums, das von vollkommen hell bis zu einem sehr dunklen, metallischen Grau reicht. Seine Motive sind oft geometrische Körper, auch als Fläche, manchmal aber nur noch Schemen, Schatten, reine Lichtreflexe. Das ist das eigentliche Ziel der Kunst Wang Yefus: das Transluzente, das Durchscheinende zu erfassen, ohne jedoch auf die Konstruktion zu verzichten. Dem Künstler ist es nicht gleichgültig, wo die Bilder gezeigt werden. Und so ist seine Serie „Leuchtende Körper“ (2023), präsentiert als Triptychon in der Apsis, von starker spiritueller Kraft. Diese Bilder zeigen alle – von mehr oder weniger dräuendem Dunkel umgeben – ein gleißend helles Quadrat von der Struktur eines Fensters, vielleicht sogar Zellenfensters.

Die in Hamburg und Leipzig lebende Künstlerin Silke Silkeborg (*1978) hat schon im Studium das Dunkel der Nacht zu ihrem Thema gemacht und betreibt dieses auch 15 Jahre später. Konkret bedeutet das: Sie ist mit Farben, Leinwand und Lampe in der Nacht draußen unterwegs, um die Stadt und ihre Lichter zu malen ebenso wie urbane Parks oder Seen. Diese Nocturnes sind einerseits Feldforschung, andererseits Ausdruck romantischer Überhöhung. Wie in der Ausstellung zu sehen, entfernt sich zunehmend die Darstellung der Lichter von ihren Quellen selbst und es sind die Reflexe etwa auf dem Wasser, welche das Bild bestimmen. Drei großen Bildtafeln lassen aber auch erkennen, was sie darüber hinaus interessiert – nämlich das Gegenteil der Nacht: den Lichtsmog. Die Lichtflut, die das Dunkel verdrängt, wird bildhaft als Strom des Überleuchtens gezeigt. Silkeborg geht in ihrem Werk überzeugend der Nacht als einer anderen Wirklichkeit nach.

Das „Parabel. Zentrum für Kunst in Hamburg“ wurde erst vor Kurzem als Ausstellungsraum in einem ehemaligen Kirchengebäude aus den 1950er Jahren gegründet, dessen architektonische Grundstrukur die Parabel ist. Es ist gleichzeitig Sammlungsmuseum der Kunsthistorikerin Maike Bruhns, das sich aus ihrem reichhaltigen Bestand von Gegenwartskunst in Hamburg, insbesondere aber aus Kunst der 1930er bis 50er Jahre speist.