Un–realized Kunstpreis.
Eingabeschluss 14. Februar 2026.
Weitere Informationen www.un-realized.ch
Nicht grundlos trennen wir sprachlich meist das Werk vom Werk, im Sinne von Œuvre. Das Grimmsche Wörterbuch kennt noch die Verbindung zwischen Werk, Arbeit und Mühsal. Daraus spricht die Notwendigkeit, etwas Messbares, oder noch besser: Vorzeigbares zustande zu bringen. Gegenüber dem Gesamtwerk ist die Welt, meist die Nachwelt, toleranter. Da findet noch das x-te ungedruckte Fragment, jede Ideenskizze oder jeder Entwurf Eingang in das Œuvre. Und wenn wir etwas von der Zeit der Pandemie gelernt haben dürften, dann das: Es ist gut, den Druck herauszunehmen und auch das Unfertige zu würdigen oder eine Recherche, von der man nicht sofort weiß, wohin sie führt.
Die Erfahrungen, die wir in der Zeit der Pandemie gemacht haben, mögen zu leichten Verschiebungen in der Kulturförderung geführt haben. Insbesondere die Projektförderung steht im Ruf, nicht nachhaltig zu sein, da Künstlerinnen und Künstler sich mit jedem Projekt neu bewerben müssen. Doch oft hat sich in der Vergabepraxis von Geldern auf lokaler und kommunaler Ebene nur wenig verändert. Der nun von der Berner Stiftung Bilas initiierte „un–realized Art Prize“ klingt nach Utopie und könnte die Routine der Kulturförderung aufbrechen. Vorbild für diesen ersten Schweizer Kunstpreis für (noch) nicht realisierte Werke ist unter anderem Hans Ulrich Obrists „Agency of Unrealized Projects“, die er mit anderen in den 1990er Jahren ins Leben gerufen hatte.
„Nicht verwirklicht“ kann ein Scheitern bedeuten, aber in der Negation steckt eben auch etwas Utopisches und Zukünftiges. „Die Stiftung Bilas möchte mit dem un–realized Art Prize den Moment stärken, in dem Kunst entstehen kann, damit kreative Ideen Raum finden und wachsen können“, heißt es in der Presseerklärung zum Preis, der im Frühjahr erstmals vergeben wird. Zur Beurteilung der Bewerbungen hat die Berner Stiftung fünf Jurymitglieder berufen, die nah an der Kunstproduktion sind. Dazu gehören Chus Martínez, Kuratorin und Leiterin des Instituts Art Gender Nature an der FHNW in Basel, die Co-Leiterin des Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich Tasnim Baghdadi, der Galerist und Verleger Oskar Weiss sowie die beiden Kunstschaffenden Mitchell Anderson und Jasmine Gregory. „Ein solcher Preis ist relevant, weil er Projekte ermöglicht, deren Ausgang offen bleiben darf. Er schafft Raum für künstlerische Prozesse, die nicht auf ein fertiges Resultat festgelegt werden müssen“, sagt Jasmine Gregory. Die Jury wird fünf Projekte auswählen, die in der Kunsthalle Bern im Sommer präsentiert werden. Aus den fünf wird eines zur Realisierung bestimmt und mit 20.000 Franken gefördert – so viel Realitätssinn muss sein. Die vier anderen bekommen jeweils 3.000 Franken zugesprochen. Sie dürfen unrealisiert bleiben.

