Die gesamte Studie gibt es als PDF zum Download unter kunstfonds.de
Für viele freie Künstler*innen ist die Arbeit im Atelier nur eine von mehreren Tätigkeiten, mit denen sie ihren Lebensunterhalt sichern. Andere sind: das Durchackern von Förderanträgen, der Nebenjob – und manchmal auch der Zweit- und Drittjob. Viel Zeit bleibt da nicht für die Kunst. Das zumindest legt die Studie „Von der Kunst zu leben“ über die wirtschaftliche und soziale Situation der Kunstschaffenden in Deutschland nahe, die das Marktforschungsinstitut Prognos jetzt im Auftrag des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) und der Stiftung Kunstfonds veröffentlicht hat. Demnach erzielen 90 Prozent der befragten Künstler*innen ein jährliches Arbeitseinkommen aus künstlerischer Tätigkeit von weniger als 20.000 Euro netto – so wenig verdienten 2024 nur 12 Prozent der Vollerwerbstätigen der deutschen Gesamtwirtschaft. Und nur 19 Prozent der Kunstschaffenden generieren ihr Einkommen ausschließlich aus künstlerischen Tätigkeiten, wozu neben dem Verkauf von Arbeiten und Künstler*innenhonoraren auch künstlerische Lehrtätigkeiten zählen. Alle anderen (81%) nennen weitere nicht-künstlerische Einkommensquellen.
Nicht ohne Grund ist für viele die zentrale Herausforderung in ihrem Berufsfeld die finanzielle Unsicherheit (79%). Künstlerinnen machen sich dabei mit 84 Prozent häufiger Sorgen um ihre berufliche Zukunft als Künstler (72%), welche wiederum weniger von Mehrfachbelastungen betroffen sind (40 im Vergleich zu 57%) oder Care-Arbeit leisten (9 zu 27%). Während Frauen vor allem den Wegfall von Förder- und Bildungsprogrammen befürchten, treibt die Männer eher die Angst vor nachlassendem Käufer*inneninteresse um. Die schlechte Einkommenssituation eines Gros der Kunstschaffenden bleibt nicht ohne Folgen für ihre finanzielle Absicherung im Alter. 54 Prozent der Befragten werden im Ruhestand eine monatliche Rente von nicht mehr als 800 Euro beziehen. Damit liegen sie 27 Prozent unter dem Durchschnitt der gesetzlichen Rente in Deutschland von 1099 Euro. Um der Altersarmut zu entgehen werden deshalb viele der heute freischaffenden Künstler*innen darauf angewiesen sein, auch über das Rentenalter hinaus berufstätig zu sein. Schon heute arbeiten mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen im Kunstfeld über 40 Stunden pro Woche.
Neben der wirtschaftlichen Situation beleuchtet die Prognos-Studie auch die Arbeits-, Ausstellungs- und Marktbedingungen für Kunstschaffende sowie die – gemessen an der schlechten Bezahlung – bemerkenswert hohe Zufriedenheit (73%) mit ihrem Beruf. Als Konsequenz aus der Erhebung fordern der Bundes-BBK und die Stiftung Kunstfonds gemeinsam unter anderem verbindliche Honoraruntergrenzen, bezahlbare Ateliers, differenzierte Förderprogramme sowie eine nachhaltige Stärkung der Infrastruktur von Ausstellungsorten.



