Sougwen Chung, Ecologies of Becoming.
Kunstverein Heilbronn, Allee 28, Heilbronn.
Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 19.00 Uhr.
20. September bis 7. Dezember 2025.
Kann man sich einen größeren Unterschied vorstellen als den zwischen Mensch und Technologie? Die Vorstellung des Menschen als natürliches Wesen hindert uns wahrscheinlich ebenso daran, an eine funktionierende Hybridität von Mensch und Maschine zu glauben, wie die Skepsis gegenüber künstlicher Intelligenz. Wenn man Sougwen Chung und den Robotern der Künstler:in beim gemeinsamen Gestalten zusieht, scheint der Unglaube an eine solche Zusammenarbeit sofort abzufallen. Es ist, als hätte diese trennscharfe Abgrenzung noch nie Sinn ergeben. Chung gilt als Pionier:in an der Schnittstelle von Kunst und künstlicher Intelligenz. Als Wissenschaftler:in und renommierte Künstler:in arbeitet Chung multidisziplinär. Die Realisierung ihrer Einzelschau „Ecologies of Becoming“ im Kunstverein Heilbronn in Kooperation mit der IPAI Foundation soll Chungs Werk installativ erlebbar machen.
Die Herausforderung in Wechselbeziehungen zeichnet sich durch eine Sache besonders aus: die Aufgabe, Brücken zu bauen. Sougwen Chung schafft eine Verbindung zwischen Technologie und künstlerischem Handwerk, zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz. Als verkörpertes Sinnbild für diese Brücke können Chungs Roboter gesehen werden. Drawing Operation Units Generations, kurz D.O.U.G.s, heißen die Maschinen, mit denen Chung kollaboriert, um Zeichnungen, Malereien und auch plastische Objekte herzustellen. Das Faszinierende an dieser Arbeitsweise ist die Abgabe von menschlicher Kontrolle: Wer ist die Autor:in? Wer steuert hier eigentlich wen? Und wie geht man damit um, dass aus dem Mensch-Roboter-Hybrid etwas gänzlich Neues entsteht? Was Betrachtende aus der Zusammenarbeit mitnehmen können, sind neben den offenen Fragen ausgerechnet organische Formen, silbrig-blauer Glanz und Strukturen, die wie Flügel anmuten. Das Unfertige in diesen Arbeiten macht Mut, darüber nachzudenken, welches Potenzial der künstlerische Verbund von Mensch und Maschine birgt.
In der Entwicklung von Chungs Technik stecken sechs verschiedene Generationen – diese Schritte sollen in der Ausstellung abgezeichnet werden. Dabei liegt der Fokus im Kunstverein Heilbronn besonders auf den künstlerischen Arbeiten, im IPAI wird der vermeintlich gegensätzliche technologische Teil vermittelt. Die Kollaboration verspricht vor allem eines: die Möglichkeiten von Gegensätzen zu erkennen, sie zu nutzen und damit die Dualitäten in unserer Vorstellung zu hinterfragen. Sougwen Chungs Werke sind Abbilder von Nuancen der physischen und der digitalen Welt, die sich vielleicht doch näher sind, als wir oft glauben.

