Landpartie. Teil 3

Landpartie, Skulpturenweg Falkau
Matthias Dämpfle, Wolf / Hase, 2021, Installationsansicht Kunst am Bach, 2025, Courtesy the artist, © Matthias Dämpfle
Thema
14. August 2025
Text: Redaktion

Kunst am Bach, Skulpturenweg Falkau bis Altglashütten.
Bis 30. September 2025.
schwarzwald-tourismus.info/touren/kunst-am-bach

Kulturort Weiertal, Winterthur.
Bis 7. September 2025.
www.galerieweiertal.ch

Ciäsa Granda Museum, Stampa.
Bis 19. Oktober 2025.
ciaesagranda.ch
Katalog 25 Euro | ca. 28.90 Franken.

Kloster Schönthal, Langenbruck.
Bis 7. Dezember 2025.
www.schoenthal.ch

Landpartie. Kulturort Weiertal
Luca Harlander, the tree of forgotten games, 2025, Courtesy the artist
Landpartie. Bergell
Ernst Scheidegger, Die Ställe auf der Ebene westlich von Bondo (Caltüra), o.J., © 2025 Stiftung Ernst Scheidegger-Archiv, Zürich

Matthias Dämpfle: Kunst am Bach, Skulpturenweg Falkau
Der Biber wird sich aller Wahrscheinlichkeit rar machen und erst nachts in der Landschaft Spuren hinterlassen. In Falkau im Schwarzwald kann man sie mit einiger Übung sehen: seine Burg, die gefällten Bäume, das gestaute Wasser. Offensichtlicher sind da die Skulpturen von Matthias Dämpfle, die in diesem Sommer den Wanderweg säumen. Der Freiburger Künstler ist nicht der erste, der in dem Ortsteil von Feldberg seine Arbeiten ausstellt, unter anderem Dietrich Schön hat sich bereits an dem Skulpturenweg beteiligt. Dämpfles Betonskulpturen basieren auf einer Art Flüsterpost, die für sich überschneidende Formen sorgt: ein Wolf, der auch Hase ist, ein Detektiv, der auch Mönch ist.   

Back to the Roots, Kulturort Weiertal
Wurzeln fassen und etwas schaffen, was über einen selbst hinausgeht. Das verbindet man mit der Aufforderung, einen Apfelbaum zu pflanzen. Das Schweizer Künstlerduo Com&Com hat sich anders entschieden. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Kulturort Weitertal, das unter dem Motto „Back to the Roots“ steht, hat es einen Apfelbaum einfach umgedreht. Die Wurzeln schauen gen Himmel und stellen so die Verhältnisse auf den Kopf. Es wirkt wie ein Menetekel für unser gestörtes Verhältnis zur Natur. Doch man kann es auch anders sehen. Der Baum, dessen Wurzel in die Höhe ragen, ist ein mythologisches Bild, das sich in vielen Kulturen findet. Com&Com hat dafür keinen gesunden Baum geopfert, er stand vor der Fällung und wird durch einen frisch gepflanzten Baum ersetzt. Die diesjährige Ausgabe, an der unter anderem auch Alex Hanimann und Doris Naef beteiligt sind, befasst sich mit Identität, der Suche nach den Ursprüngen und der Herkunft. red.

Ernst Scheidegger und das Bergell, Stampa
Die Malojapassstraße windet sich in Serpentinen so eng durchs obere Bergell, dass der Verkehr immer wieder stoppen muss, wenn das Postauto per Hupe sein Kommen ankündigt. Für den Zürcher Fotografen Ernst Scheidegger (1923-2016) war die Straße mehr als ein spektakuläres Motiv. Sie stand für die Herausforderung, die die schroffe Landschaft für den Alltag der Menschen bedeutete in den Dörfern entlang des Flüsschens Maira. Zu ihnen gehörte unter anderen Alberto Giacometti, mit dem Scheidegger befreundet war und den er in dessen Atellier in Stampa immer wieder mit der Kamera besuchte. Eine Ausstellung und ein schöner Katalog präsentieren jetzt erstmals eine Auswahl der über 5000 Bergell-Fotografien von Ernst Scheidegger. red.

Richard Long, Kloster Schönthal, Langenbruck
Zum 25. Jahrestag des Kunstortes Kloster Schönthal steht ein Künstler im Zentrum, dessen Werk seit 2008 vor Ort ist. Neue Skulpturen sind nun in Kirche und Hof, und Papierarbeiten im Abtsaal zu erleben. Mit ausgedehnten Wanderungen erkundet Long seit sechs Jahrzehnten die Landschaft und setzt dort einfache Zeichen mit Kreisen, Linien oder Spiralen. Gelegentlich sieht man seine Werke auch im Museum. 1967 begann er seine «walks» mit einer Linie im Gras, ein ikonisches Werk, das gängige Vorstellungen von Skulptur in Frage stellte. Der «Pfad» ist schon längst überwachsen – exis­tiert noch unserer Vorstellung und auf Fotos. Physisches und Immaterielles bedingen gleichermassen seine Werke, die an entlegenen Orten auch durch Wind und Wetter getilgt wurden. Seine Textarbeiten rufen sie wieder auf und beschreiben nüchtern deren Handlung, Ort und Kontext. Am Eingang hängt ein solches Bild: „Sunrise circle, Sunrise at 19,346 Feet, a circle drawn in the snow on the summit of Volcan Cotopaxi, along a Walk of 12 Days in Ecuador 1998.“ Mit der Idee einer Schneespur im Morgenlicht steigt man hinab ins Kirchenschiff und trifft auf ein grosses X aus dunklen Kalksteinen. „Time Out of Mind“ ist zwischen den Pfeilern so angeordnet, dass es als grosse Kreuzung den Ort markiert, der zwar im christlichen Sinne konnotiert ist, aber auch als eine Schnittstelle verschiedener Wege im Innen- und Aussenraum verstanden werden kann. Die Seitenwand dominiert ein grosser Kreis aus rötlichem Schlamm. Diesen Tondo, „Schönthal Circle“, hat der Künstler mit seinen Händen erschaffen. Vom physischen Prozess zeugen Wischbewegungen und Verläufe, die das Gemachtsein offenbaren. Aussen im Klosterhof krümmt sich der Lauf eines fiktiven Bachbetts aus dunklen Limestones, „A Bend in the River“, auf dem hellen Kies. Die aufgeworfenen kantigen Steinbrocken evozieren eine heftig bewegte Wasseroberfläche.

Das Gehen als zentraler Teil von Longs künstlerischer Arbeit bestimmt auch den Weg zum alten Viehstall auf der Anhöhe, wo sich seit 2008 zwei seiner Arbeiten befinden; die „Cowshed Ellipse“ und ein „Mud Work“. Von der geteerten Strasse zweigt ein schmaler Schotterweg ab, der zwischen grasenden Kühen und zwitschernden Vögeln zum Stall hinaufführt – Natur pur. Die knarrende Treppe emporsteigend, findet man unter dem Gebälk des hölzernen Dachstuhls eine grosse Ellipse aus unzähligen steinernen Bruchstücken auf dem alten Bretterboden. Ein Gefühl von Zeitlosigkeit stellt sich ein, als würde der Kranz aus rötlichem Verrucano um ein Zentrum aus weissem Mergazzo Granit, schon ewig hier liegen. Dazu gesellt sich ein wandfüllendes Kreissegment aus ockerfarbenem Schlick, dass aussieht, als würde sich eine leuchtende Sonnenscheibe aus dem Urschlamm erheben. Die archaisch anmutenden Werke von Long korrespondieren mit dem Gründungsgedanken von John Schmid, Zeitgenössische Kunst in Dialog mit der Natur erfahrbar zu machen. Iris Kretzschmar