Landpartie. Teil 2

Landpartie 2 Herrenchiemsee
Sheila Hicks, Saffron Sentinel, 2017, © Shiela Hicks/VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Foto: Bay, Staatsgemäldesammlung, Haydar Koyupinar
Thema
13. August 2025
Text: Redaktion

Pinakothek der Moderne auf Schloss Herrenchiemsee.
Täglich 9.00 bis 17.30 Uhr.
Bis 12. Oktober 2025.
www.pinakothek-der-moderne.de

Sala Viaggiatori, Castasegna.
Bis 20. März 2026.
www.sala-viaggiatori.ch/de

Kunstraum Grässlin und Räume für Kunst, Museumstr. 2, St. Georgen.
Geführte Rundgänge am 10. August. 2025, 11.00 Uhr, 15. August 2025, 11.00 Uhr, 30. August 2025, 14.30 Uhr und 12. September 2025, 11.00 Uhr.
www.sammlung-graesslin.eu

Wenn die Temperaturen steigen, geht auch die Kunst nach draußen. Ein guter Grund, ihr zu folgen. Auf diesen Seiten stellen wir Ihnen die schönsten Ausflugsziele vor.

Könnt ihr noch? Kunst & Demokratie, Schloss Herrenchiemsee
„Klima-Karma, Katzen-Memes, Kokoswasser, Kobaltminen“. Wer bräuchte nicht mal eine Pause vom ständigen Informationsbrei, in dem alles gleich wichtig oder unbedeutend erscheint. „Könnt ihr noch?“, der Refrain von Deichkinds gleichnamigen Song, ist dabei weniger Frage als Aufforderung. Und die Ausstellung der Pinakothek der Moderne, die sich für diese besondere Sommerausstellung den Deichkind-Titel von 2024 geliehen hat, ist zudem am richtigen Platz. 1948 wurden in Herrenchiemsee wichtige Grundsätze für die deutsche Verfassung gelegt. Im August trafen sich dort die Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder. Damit haben die gezeigten Arbeiten, darunter Werke von Pablo Picasso, Francis Bacon und Beuys, die wesentlich aus der Pinakothek der Moderne stammen, nicht unmittelbar zu tun. Mittelbar aber insofern, sich Künstlerinnen und Künstler für die Demokratie eingesetzt haben und mit ihren Werken Diskussionen auslösen und vertiefen.

Automobile, Sala Viaggiatori, Castasegna
Großrat Gaudenz Issler war der erste, der im Kanton Graubünden ein Auto besaß. 1897 war das, doch nur kurz darauf gab er es wieder ab, es war nicht an die Gegebenheiten in Graubünden angepasst. Erst 1925 wurde das Bündner Autoverbot aufgehoben. Nicht alles ist auf konservative Ansichten zurückzuführen, tatsächlich waren die Straßen, deren Pflege Gemeindesache war, nicht für größere Belastungen ausgelegt. Das Verbot jedoch führte zu Absurditäten, etwa der Überführung von Automobilen mittels Pferdekraft. Es berührte Fragen der Infrastruktur, des Handels und Verkehrs und nicht zuletzt des Tourismus. Die zweiteilige Ausstellung erinnert an die Aufhebung dieses Verbotes durch historische Zeugnisse wie Postkarten, Straßenkarten, Prospekte und Objekte, aber auch durch Werke von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler wie Isabelle Krieg, Gabriela Gerber und Lukas Bardill, Roman Signer, Jules Spinatsch und Sebastian Stadler. Es braucht übrigens neun Volksabstimmungen, um das Verbot zu kippen.

Im Land der Motive brennt kein Licht mehr, St. Georgen
Die Frage, wie gegenwärtig unser gesellschaftliches Zusammenleben aussehen könnte, beschäftigte zuerst die Theater, nun mittlerweile auch die bildende Kunst. Dass die Ausstellung, die sich nicht allein über den Kunstraum Grässlin, sondern auch über leerstehende Geschäfte in St. Georgen erstreckt, unter dieser Frage steht, ist kein Zufall. Die Künstler, die die Sammlerfamilie um sich geschart hat, darunter Albert und Markus Oehlen, Kai Althoff, Cosima von Bonin sowie Tobias Rehberger gehören weitestgehend einer Generation an und sind stark durch die 1980er Jahre geprägt. Vielleicht keine schlechte Grundlage, schließlich schien bereits damals sich die Welt grundlegend zu verändern. Oder wurden damals die Weichen falsch gestellt, so dass unsere Gegenwart so geworden ist, wie sie ist: geprägt von Populismus, den Auswirkungen von Kolonialismus und Rassismus, den Debatten um Identität, die Klimakrise und überhaupt die Zerstörung von Lebensräumen und Natur? In St. Georgen könnte so etwas wie ein Brennspiegel unserer Gegenwart entstehen.