Landpartie. Teil 1

Scream Machine Tinguely
Rebecca Moss & Augustin Rebetez, Scream Machines, Installationsansicht im Garten des Museum Tinguely, Basel, 2025, Courtesy the artists, Foto: © 2025 Museum Tinguely, Basel / Matthias Willi
Thema
5. August 2025
Text: Redaktion

Rebecca Moss & Augustin Rebetez, Scream Machines, Museum Tinguely, Basel.
Bis 21. September 2025.
www.tinguely.ch

Alter und Neuer Botanischer Garten, Zürich.
Bis 6. September 2025.
www.weareaia.art

Pauline Boudry & Renate Lorenz, Abbatiale Bellelay, Saiscourt.
Bis 31. August 2025.
www.abbatialebellelay.ch

Wenn die Temperaturen steigen, geht auch die Kunst nach draußen. Ein guter Grund, ihr zu folgen. Auf diesen Seiten stellen wir Ihnen die schönsten Ausflugsziele vor.

Scream Machines, Museum Tinguely, Basel
„Welcome & Goodbye“ heißt es gerade im Garten des Museum Tinguely. Der Gruß windet sich auf einem Schlangenkörper an der Fassade von „Scream Machines“. Dass die von Augustin Rebetez und Rebecca Moss konzipierte Geisterbahn genau vom 22. Mai bis zum 30. August im Garten des Museum Tinguely aufgebaut steht, ist kein Zufall. Es ist die Spanne vom Geburtstag bis zum Todestag des Künstlers. 1991 starb Jean Tinguely mit 66 Jahren. Gut möglich, dass er an dem skurrilen britischen Humor von Moss und der verspielten Morbidität Rebetez‘ seine Freude gehabt hätte. Zumal er selbst mit Niki de Saint Phalle, Daniel Spoerri und Bernhard Luginbühl zur Eröffnung des Centre Pompidou 1977 in Paris mit „Le Crocrodrome“ eine solche Bahn in Gestalt eines Drachens gebaut hatte. Gut 30 Meter mass damals diese Monumentalskulptur.

Die Geisterbahn, die Moss und Rebetez umgestaltet haben und während der Museumsöffnungszeiten gefahren werden kann, hat jedenfalls einige Erfahrung als „Scream Machines“. Bis 2019 war sie regelmäßig Teil der Basler Herbstmesse, 1935 jedoch wurde sie als „Wiener Prater Bahn“ eingeweiht. Rebecca Moss verbrachte als Kind ihre Sommerferien in britischen Seebädern und dürfte daher einige Erfahrung mit trashigem Entertainment gemacht haben. Und überhaupt gehört zu ihren ästhetischen Prinzipien zu intervenieren, unterbrechen und überraschen. Das passt zu den Bildwelten von Augustin Rebetez, die gleichermaßen surrealistisch wie theatralisch sind. „Welcome & Goodbye“ kann auch heißen, dass man von den abgetrennten Händen um einen Wackelpudding, der Wand mit den Totenköpfen und den kleinen monströsen Szenen einfach nicht genug bekommt und erneut vier Franken zückt, damit der Spaß von vorne beginnen kann.

Botanical Memories, Botanische Gärten Zürich
Wären wir bessere Menschen, wenn wir mehr auf Pflanzen hören würden? Irgendwie sozialer und resilienter? Gesünder vermutlich. Schließlich sind Heilpflanzen Medizin für viele Krankheiten und Gebrechen. Die Entwicklung der Pharmazie hat diese Kenntnisse in den Schatten gerückt, aber nicht nutzlos gemacht. Das Sommerprogramm von Workshops und Performances, das das Team von We are Aia zusammen mit dem Botanischen Garten in Zürich entwickelt hat, geht von Heilritualen bis hin zu den heiligen Bäumen der Mapuche-Kultur. Nora Hauswirth, Maya Minder und Kaspar Koenig wollen gar Mikroben dazu bringen, uns unsere Geschichten zu erzählen. Das Wissen über die Pflanzen verändert sich ständig, mittlerweile integriert es traditionelle und indigene Kenntnisse.

Pauline Boudry & Renate Lorenz, Abbatiale Bellelay
Was sind das nur für Zeiten, wenn Kunstschaffende die Welt als Jahrmarkt wahrnehmen. Pauline Boudrys & Renate Lorenz‘ Achterbahn für die Abbatiale Bellelay mit dem programmatischen Titel „You ask me to not give up up up“ reagiert unmittelbar auf die reaktionären Tendenzen allerorts. Aber wo es abwärts geht, muss es auch wieder aufwärts gehen, sogar „up, up, up“, wenn man der Logik einer Achterbahn folgt. Das queere Künstlerduo, das 2019 den Schweizer Pavillon auf der Biennale von Venedig bespielt hat, führt das Fahrgeschäft durch die sakrale Architektur der barocken Kirche und hat dafür mit dem Kunstschaffenden Colin Self zusammengearbeitet. Der Soundtrack von Self ist in Form eines Lautsprechers sozusagen der Fahrgast dieser Berg- und Talbahn und das Zugeständnis, dass es manchmal einen langen Atem braucht, um die Gesellschaft zu verändern. Auf die Talsohle folgt das nächste Hoch. Wenn man nicht aufgeben will, muss man manchmal einfach seine Stimme erheben.