Raphaela Vogel, A Woman’s Sports Car

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8. März 2019
Text: Jolanda Bozzetti

Raphaela Vogel, A Woman’s Sports Car.
Haus der Kunst, Prinzregentenstr. 1, München.
Montag bis Sonntag 10.00 bis 20.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 22.00 Uhr.
Bis 30. Juni 2019.

www.hausderkunst.de

Nach einem fulminanten Ausstellungsjahr 2018 ist Raphaela Vogel (*1986) nun auch im Münchner Haus der Kunst zu sehen. Für ihre Einzelausstellung hat sie eine neue Installation geschaffen. Bereits im Treppenhaus ist die typische Vogelsche Ästhetik zu erkennen, wortwörtlich in Form eines von der Decke hängenden, filigranen Vogelkäfigs. Durch allerlei Kabel verbunden, hängt darüber ein Automotor samt Auspuff und Soundboxen. Krude Technik als Readymade-Skulptur.

In dem dreiminütigen Video, das über einen Mini-Beamer aus dem Vogelkäfig heraus projiziert wird, lässt die Künstlerin eine nostalgische Traumwelt entstehen, in der sie selbst in violettem Gewand und einem Akkordeon in den Händen als musizierende Nymphe durch einen italienischen Lustgarten wandelt. Das romantische Setting und die kitschige-melancholische Melodie des Akkordeons (Marke Fröhlich) werden dann abrupt von mechanisch pumpenden Lauten und orgiastischen Stimmen abgelöst, die das Aufblitzen verschiedener Darstellungen der Göttin Hygieia begleiten.

Den Weg hinauf weisen vier großformatige, bemalte Tierhäute mit Titeln wie „Das stimmt schon so“ oder „Der Ritt der Walküre“. Diese abstrakten Arbeiten, von der Künstlerin selbst als „atavistische Form eines Bildes“ bezeichnet, durchziehen ihr Werk wie ein roter Faden. Ebenso der Hang zum Autobiografischen. So entspricht der gelbe Sportwagen – ein Triumph Spitfire von 1981 – tatsächlich dem Modell, das die Mutter der Künstlerin einst besaß. Im Ausstellungsraum dreht es sich – gelenkt von einer imaginären weiblichen Fahrerin, symbolisiert durch eine dunkle Perücke auf dem Fahrersitz – unentwegt um die eigene Achse, während die Frontscheinwerfer eine augenförmig zugeschnittene Doppelkanalprojektion an die umliegenden Wände werfen. Wie in einem Trickfilm öffnen, weiten und schließen sich die Augen und verleihen so dem Wagen etwas Wesenhaftes. Ein echtes Tier – genauer gesagt, ein Pudel – kommt auch in den Videoaufnahmen vor: in einer kugelig verzerrten Aufnahme sieht man die Künstlerin mit dem Hund auf einem Spielplatz spazieren gehen. Einige weitere, mithilfe von Drohnen gefilmte Episoden werden mit unterschiedlichem Sound- (von heulenden Motorgeräuschen über verzerrte Ausschnitte einer Chanel-Parfüm-Werbung) und Bildmaterial wie dem  TV-Glücksrad kombiniert. Die verzerrte 360-Grad-Optik der Aufnahmen wechselt dabei zwischen dem Blick in ein Augenpaar samt Pupille, dem Sog eines verschlingenden Strudels und der Magie einer Wahrsager-Kugel. Und ein weiteres Mal beweist Raphaela Vogel in München Sinn für herrlich humorvolle Assoziationen: Wie einen Zirkuslöwen bewachen den Triumph Spitfire zwei feuerspuckende chinesische Drachensäulen.