Künstliche Kreativität.
Aargauer Kunsthaus, Aargauerplatz, Aarau.
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr.
26. September 2026 bis 10. Januar 2027.
www.aargauerkunsthaus.ch
Als das von einer KI generierte „Portrait of Edmond Belly“ vor acht Jahren bei Christies für 432.000 US-Dollar versteigert wurde, war das ein guter Preis. Gut genug zumindest, um Künstliche Intelligenz nachhaltig ins Bewusstsein eines breiten Kunstpublikums zu rücken. Das ist bis heute hin- und hergerissen zwischen fröhlicher Erwartung und latentem Unbehagen, ist mal fasziniert, mal eher ratlos, aber immer gerne bereit mitzumachen, wenn es etwas zum Mitmachen gibt. Nach anfänglicher Verunsicherung wenden sich derzeit auch immer mehr Museen der Erzählung von der konstruktiven Zukunftsgestaltung durch KI zu. Das Frankfurter Städel machte es gerade vor mit seiner Sommerschau „The World Through AI“ samt gut besuchtem KI-Festival für alle.
Das Basler Haus der elektonischen Künste arbeitet schon lange zum Thema. Aktuell kooperiert es mit dem Aargauer Kunsthaus für die Ausstellung „Künstliche Kreativität“, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven dem kreativen Potenzial der Algorithmen widmet. Mit dabei ist zum Beispiel Botto, eine dezentrale, autonome KI, 2021 vom Medienkünstler Mario Klingemann entwickelt. Der Name klingt wie ein Mix aus Giotto und Roboter. Botto ist Urheber des Covermotivs der artline-Ausgabe, die Sie gerade in den Händen halten. Der Entstehungsprozess war langwierig, ausgehend von Tausenden von Bildern, die die KI aufgrund eigenständig erzeugter Prompts generierte, anschließend eine Auswahl der besten paar Hundert traf und diese dann einer Community in mehreren Korrekturgängen immer wieder zur Abstimmung vorlegte. Mitglied werden konnte, wer Krypto-Tokens kaufte. Am Ende wurde das Bild, das die meisten Stimmen bekam, als NFT versteigert und der Erlös zwischen allen Beteiligten aufgeteilt. Das war vor vier Jahren. Ob „Utility Stream“ (so der Titel des Bildes) gut gealtert ist? Schwer zu sagen. Nach wie vor aktuell aber sind die grundsätzlichen Fragen, die es aufwirft und die auch in der Aarauer Schau im Zentrum stehen. Denn wer ist eigentlich kreativ, wenn Künstliche Intelligenz Kunst macht: der Algorithmus, die Community oder das kulturelle Gedächtnis, auf das die KI zurückgreift? Wie lässt sich der Tendenz zum kleinsten gemeinsamen Nenner entgegensteuern? Wie der Logik der Polarisierung entgehen und das Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Kontrollverlust produktiv gestalten? Onome Ekeh etwa nutzt KI, um Räume zu schaffen, in denen verlorenes Wissen neu entstehen kann. Und während Hochschuh & Donavan das Publikum mit einem interaktiven Roboterschwarm konfrontieren, bringt der Schweizer Medienkünstler Alfatih die Besuchenden unmerklich in eine brenzlige Lage, indem er ihnen die Verantwortung für ein unsichtbares Kind überträgt.

