Maria VMier

Marie Mvier
Maria VMier, Foto: STF Art Documentation
Porträt
Text: Roberta De Righi

Maria VMier: I follow the wind through the stone.
Haus der Kunst, Prinzregentenstr. 1, München.
Montag, Mittwoch bis Sonntag 10.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 7. Februar 2027.
www.hausderkunst.de
http://vonmier.com

Marie VMier
Maria VMier, I follow the wind through the stone, 2026, Ausstellungsansichten Haus der Kunst, München, Foto: STF Art Documentation
Marie VMier
Maria VMier, I follow the wind through the stone, 2026, Ausstellungsansichten Haus der Kunst, München, Foto: STF Art Documentation

Maria VMier ist eine Meisterin künstlerisch-sinnlicher Raum-Vermessung. Als könne sie in ihrem Werk verborgene Schwingungen sichtbar machen. Im Münchner Haus der Kunst kann man nun einige ihrer ortsspezifisch entstandenen Arbeiten entdecken: An drei verschiedenen Standorten im Haus schuf sie im Rahmen des alljährlich vergebenen Projektauftrags für junge Künstler*innen Installationen.

Ihr bildhauerisches und malerisches Werk zeichnet sich gleichermaßen durch Zartheit und Zähigkeit aus; in der Gestalt fluide, aber konsistent in der konzeptuellen Herangehensweise. Der Übertitel zu ihren subtilen Interventionen lautet: „I follow the wind through the stone“. VMier, die 1985 in Passau geboren ist, in München, Wien und London studiert hat und derzeit in New York lebt und arbeitet, hat sich dafür intensiv mit der Sprache der Werkstoffe in Paul Ludwig Troosts NS-Repräsentationsbau beschäftigt.

In der zentralen Mittelhalle schuf sie eine Reihe zart-ziselierter Miniaturen aus Aluminium, deren amorphe Formen an Blüten und Fossilien erinnern. So setzt sie – an unterwarteten Stellen vor der Wand und am Boden – auf eine leise irritierende Gegenkraft zum roten Marmor, mit dem die monumentale Halle ausgekleidet ist. Darüber hinaus entstanden in der Südgalerie großformatige abstrakte Zeichnungen, denen Grattagen von Bodenplatten zugrunde liegen. Hier verwandelt sie die monumentale Architektur in flüchtige Linien und Winkel. Diese sind einem an die Vergänglichkeit gemahnenden Erdton ebenso ausgesetzt wie dem tiefen Blau der Unendlichkeit. Zwischen Himmel und Erde liegt nur ein winziger Spalt für die Gegenwart.

Dieselbe Herangehensweise wandte sie auch in ihrer Solo-Ausstellung für den Wiener Ableger des Münchner Offspace Loggia Anfang 2026 an. Und bereits 2024 schrieb sich Maria VMiers künstlerische Handschrift in der Sammlungspräsentation „Walk the Line“ in der Münchner Pinakothek der Moderne als ebenbürtiger Konterpart zu Hans Hartung (1904-1989) ins Gedächtnis ein. In einem schwarz gestrichenen Raum mit dem Titel „Unruhe“ setzten zwei ihrer fein nuancierten Monumentalformate einen hochdynamischen Kontrast zu den fast sakral anmutenden Grattage-Zeichen des Informel-Pioniers Hartung. Dafür zog sie mit farbiger Tusche sich konzentrisch öffnende Linien, Schlieren und Schleifen über das hochformatige Blatt. Durch komplexe Schichtung und Finesse im Detail fand man beim Betrachten in immer neue Bildwelten, die von ferne an die komplex-übersinnlichen Wellenstrukturen der britischen Spiritistin und Malerin Georgiana Houghton (1814-1884) erinnerten.

Maria VMier, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Stefanie Hammann auch einen Verlag für Kunstbücher betreibt, wirkt dagegen allerdings ziemlich gut geerdet. Für „I follow the wind through the stone“ gestaltete sie außerdem noch den Personaleingang im Untergeschoss neu. Dafür griff sie auf vorhandene Materialien zurück: Nämlich die großformatigen Lettern des Haus-der-Kunst-Schriftzuges, der unter Okwui Enwezor, Vorgänger des heutigen künstlerischen Geschäftsführers Andrea Lissoni, über der straßenseitigen Fassade angebracht war. Aus „Haus der Kunst“ wurde durch einige Buchstaben-Drehungen und eine kleine Beifügung nun der fast schon Dada-poetische „Bauch der K_nst“. Ein Schriftzug, der in Gestalt und Idee die ambivalente innere Energie des Kunstbetriebs wunderbar auf dem Punkt bringt.