Gunther Gerlach: Passing Snow.
Städtische Galerie Bremen, Buntentorsteinweg 112, Bremen.
Dienstag bis Sontag 12.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 18. Oktober 2026.
[—artline>Nord] Mehrere Zugänge führen zur Ausstellung. Und es eröffnen sich zahlreiche Parcours. Ein Figurentypus dominiert und entfaltet sich vielfach. Körper im Raum – nichts anderes sind Skulpturen. Mit dieser Relation und den Beziehungen der Figuren zueinander entsteht ein ganzes Universum. Ein plastisches Werk beginnt nicht, wo der Raum endet, sondern mit ihm zusammen. Das meiste ereignet sich im Dazwischen und das Spannendste geschieht an Übergä̈ngen. Der aktuellen Praäsentation in der Städtischen Galerie Bremen gelingt der Nachweis.
Das skulpturale Repertoire des Bildhauers Gunther Gerlach reicht vom Gerüsthaften bis zur volumenplastischen Andeutung. Eine wirkungsmächtige Kargheit prägt sein Werk. Auf den ersten Blick abstrakte Figurationen erscheinen von verändertem Standpunkt aus nahezu realistisch. Aus kantiger Schärfung erwachsen gestischer Ausdruck und expressive Daseinsbetrachtung. Im Bruchstückhaften geht es ums Ganze. Gerlach, der in Bremen lebt und arbeitet, setzt auf das Material Holz. Assoziativ knüpft er an dessen stoffliche und formale Eigenschaften an, transformiert diese aber in Gestaltfindungen, die fundamentale bildhauerische Aspekte ins Zentrum rücken. Aufrichten, abzweigen, stehen, liegen, anlehnen, aufgesockelt und ohne Podest – Wachstumseigenschaften und Bearbeitung spielen zusammen. Die Oberflächen der Plastiken tragen ungegenständlich lesbare grafische Eingriffe, Bearbeitungsspuren, Einritzungen, die auch als Male und Wunden gedeutet werden können. Ein Video, das der Ausstellung den Namen gibt, verfolgt Aggregatzustände des Elements Wasser, im Grunde Wandlungspotenziale, die auf andere Weise auch im Holz gegeben sind.
Die meist aus einem Stück, oft aus einem Fundstück gefertigten Skulpturen lassen unmittelbar an menschliche Körper denken. Sie zeigen sich in Einzelauftritten und Alleinstellungen, meist aber in Ensembles. Positionen wachsen sich zu Situationen aus, Bewegungsenergie spricht auch aus dem Statischen. Mal geschwärzt, mal weißlich getüncht, mal Licht, mal Schatten thematisierend, werfen die Arbeiten Erzählerisches auf. So stellen sich Assoziationen zu Brandspuren, aber auch zu lichtvollen Phänomenen ein. In einem Raum flankieren grafisch-malerische Arbeiten das plastische Werk. über geometrische oder anthropomorphe Lineaturen legen sich frei assoziierte traumartige Figuren. Körperraum und Bildraum, Bilder-Denken und Denkbilder fließen ineinander. Gerlachs Werk weckt ein körperliches Sehen.


