Akosua Viktoria Adu-Sanyah: Residual Sky Under Contamination.
PHOXXI – Temporäres Haus der Photographie, Deichtorstr. 1-2, Hamburg.
Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donerstag 11.00 bis 21.00 Uhr.
Bis 1. November 2026.
www.deichtorhallen.de/de/deichtorhallen/phoxxi
https://akosuaviktoria.com
[—artline>Nord] Von großer Höhe – wie aus dem Himmel – hängen die Bilder von Akosua Viktoria Adu-Sanyah in den temporären Ausstellungsraum PHOXXI der Deichtorhallen Hamburg herab. Einige von ihnen sind sogar übereinander gehängt. Mit rund zwanzig zu Gruppen zusammengestellten Einzelabeiten von dieser Größe wird auch die Breite des Raumes ausgenutzt. Es ist sofort erkennbar, dass es sich um Fotografie handelt. Doch es braucht Zeit, um sich in die oft in rötlichen Tönen gehaltenen Bilder einzusehen. Tiefes Rot geht in undurchdringliches Schwarz über, grünliche Schleier legen sich über gelben Grund, immer wieder zeigen sich feine Strukturen, Schlieren, Schatten oder Fleckenränder wie von Feuchtigkeit. Es sind mal Porträts in Übergröße zu sehen, dann etwas Stoff wie auf einer Zeichnung, manchmal drängt sich ein Gefühl von Landschaft auf, klarer sind Bäume zu erkennen. Diese Fotografien scheinen aufgebaut zu sein wie Malerei, in der alles Gemalte grundsätzlich auch wieder weggenommen werden kann. Manchmal meint man, das Innere des Bildes zu sehen zu können.
Akosua Viktoria Adu-Sanyah (*1990) ist eine deutsch-ghanaische Künstlerin, die in Zürich lebt. Sie kommt von der Malerei und führt diese parallel zu ihren fotografischen Arbeiten weiter. In den letzten zehn Jahren aber hat sie vor allem ungewöhnliche Techniken für analoge Farbfotografie entwickelt. Verkürzt gesagt, bringt sie im fotografischen Entwicklungsprozess ihre Motive und Farbigkeit in vollkommener Dunkelheit auf große Papierbahnen. Die Künstlerin hantiert dabei teils mit Taschenlampe, Entwickler und Fixierer eher nach Gefühl, anstatt präzise Prints zu erstellen. Sie mache mit den Händen, was „sonst die Maschine machen würde“, sagt sie. Dieser Prozess in seiner eigenen Bewegung schlägt sich in jeder Faser des Bildes nieder, mit Wellen, Flecken, Lichtdurchbrüchen. Für Adu-Sanyah ist es die notwendige Arbeitsweise, um sich der Geschichte ihrer eigenen Familie zu nähern und ihrem historischen Kontext. Die Motive der titelgebenden Bilder „Residual Sky Under Contamination“ speisen sich unter anderem aus Bildarchiven zur Geschichte Ghanas, von der einstigen britischen Kolonialmacht „Goldküste“ genannt. Auf beeindruckende, assoziative Weise verwebt sie das kollektive Trauma der Sklaverei mit ihrer eigenen Biografie. Denn auch Bilder ihrer Familie tauchen hier auf, der Großmutter aus Ghana etwa, oder ihres deutschen Urgroßvaters in Soldatenuniform 1939, Motive, in denen Adu-Sanyah dem Potenzial von Unsicherheiten und Unklarheiten dokumentierter Erinnerung für alternative Erzählungen nachspürt. Für Adu-Sanyah sind sie Versuche „etwas festzuhalten, was schon verstorben oder kaputtgegangen“ ist.






