Nicolas Daubanes, Le feu intérieur: Macht und Widerstand

Nicolas Daubanes
Nicolas Daubanes, Ancien camp de concentration de Natzweiler-Struthof, fôret, Detail, © Adagp, Paris, Foto: Didier Plowy - CMN
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26. September 2026
Text: Redaktion

Nicolas Daubanes, Le feu intérieur.
Orangerie der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Hans-Thoma-Str. 2, Karlsruhe.
Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 20.00 Uhr.
27. September 2026 bis 10. Januar 2027.
www.kunsthalle-karlsruhe.de

Spätestens seit diesem Sommer mit seiner langanhaltenden Dürre und den brennenden Wäldern und Mooren wissen wir, wie ausdauernd Schwelbrände sein können. Auch wenn man sie längst für gelöscht hält, haben sie noch das Potenzial erneut auszubrechen. Solch innere Feuer hat Nicolas Daubanes (*1983) zum Thema seiner aktuellen Ausstellung in der Orangerie in Karlsruhe gemacht. Mehr noch, sie durchziehen überhaupt sein Werk, das aus großformatigen Zeichnungen und Installationen besteht und eine Auseinandersetzung zur jüngeren Zeitgeschichte darstellt. Einerseits glimmt da etwas, das unheilvoll ist, indem es andere unterdrückt, andererseits brennt der Widerstand dagegen. Man könnte auch glauben, dass das deutsch-französische Verhältnis lange durch solch ein „feu intérieur“ bestimmt war. Die Liste der Konflikte ist lang, der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 gehört dazu, ebenso die Pariser Kommune als Reaktion darauf, der Zweite Weltkrieg, die NS-Herrschaft und die Résistance. Daubanes hat die Sabotageakte von Zwangsarbeitern beim Bau des Atlantikwalls aufgegriffen. Für seine Karlsruher Ausstellung wird er sich auch mit der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik befassen, in deren Hallen sich heute das ZKM, das Kunstmuseum und die HfG befinden.

Das Material, mit dem viele seiner großformatigen Zeichnungen entstehen, entspricht diesem antagonis­tisches Verhältnis von Macht und Widerstand. Es ist Eisenspäne, die durch Magnetismus fixiert wird. Es ist das, was bleibt, würde man Gitterstäbe durchfeilen, um sich aus einem Gefängnis zu befreien. Daubanes, der in Marseille lebt, hat so einen Wachturm des KZ Natzweiler-Struthof im Wald dargestellt, das heute ein Mahnmal des Widerstands ist.

Zu seinen jüngeren Rechercheprojekten gehört der Gefängnisaufstand 1972 in Nancy, der Partnerstadt von Karlsruhe. Im Gefängnis Charles III revoltierten am 15. Januar gut 300 Gefangene, sie besetzten das Dach, verbreiteten Flugblätter und rollten Banner aus, auf denen unter anderem „On a faim“ stand. Ihre Forderungen waren basal: besseres Essen, geheizte Zellen, gute hygienische Verhältnisse und keine Schläge von den Wärtern. Die Häftlinge auf dem Dach zogen viele Schaulustige an und die Mobilgarde, die den Aufstand niederwarf. Kurz darauf wird, auch als Reaktion auf die Lage inhaftierter politischer Aktivisten, die Groupe d’information sur les prisons von prominenten Linken gegründet, auch Michel Foucault gehört dazu. 1975 erscheint sein Buch „Überwachen und Strafen“. Seine Arbeit, so hat Daubannes einmal gesagt, entfalte die Zeit, sie verfolge einen Weg, eine Kurve, angetrieben von der Suche nach Freiheit und der Befreiung vom Zwang.