In der Luft.
Heidelberger Kunstverein, Hauptstr. 97, Heidelberg.
Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 9. August 2026.
www.hdkv.de
Wer singt denn so: Äd Ruschä, Äd Ruschä? Und welcher Vogel mag dieses leichte Grollen von sich geben? Es ist das Künstlerpaar Gilbert & George. Man muss sich ein bisschen hineinhören und natürlich hilft die Namensliste von Louise Lawlers (*1947) Soundarbeit „Birdcalls“, um die Künstler auch wirklich zu erkennen. Dann ist es in etwa so erheiternd wie einer Gruppe Spatzen zuzuschauen. Doch was bringt eine Künstlerin dazu, ihre Kollegen als Vogelstimmen zu verulken? Die Tatsache, dass bei dem Ausstellungsprojekt „Pier 18“ Anfang der 1970er Jahre unter den 27 Ausstellenden keine einzige Frau war. Da kann man schon mal einen Scherz daraus machen. Lawlers Arbeit ist derzeit im Heidelberger Kunstverein ausgestellt. Der Titel der Gruppenschau „In der Luft“ bezieht sich nicht allein auf Vögel. Arbeiten wie „A Wing Beat! A Wing Beat!“ von Leonie Kellein (*1993) erinnern daran, dass Menschen die Vogelperspektive im Krieg nutzten und nützen, um den Feind auszuspionieren. Drohnen sind die legitimen Erben der Brieftaube, die zu Stadttauben verwilderten, an denen sich heute so viele stören.
Das Verhältnis von Mensch und Vogel ist also kompliziert. Als eines, das von Fürsorge bestimmt ist, definiert es Yalda Afsah (*1983) in ihrem Video „SSRC“. Die Abkürzung steht für Secret Society Roller Club. Mehrere Stunden kümmert sich ein Mitglied dieser „Geheimgesellschaft“ im Los Angeles County um seine Tauben. Es sind „Birmingham Rollers“, die er von seinem Vater übernahm und die in der Luft Rückwärtssalti machen können. Die Zeit, die er täglich mit ihnen im Hinterhof verbringt, ist er weit weg von der Bandenkriminalität auf den Straßen. Durch ihre schiere Präsenz übernehmen die Tauben unfreiwillig Verantwortung für ihren Halter.
Durch die Entfremdung von der Natur überlagern Projektionen unsere Beziehung zu Tieren. In „Arc of Night“ folgt man Joshua Bonnetta (*1979) auf seinem Weg in den Wald. Tagebuchartig erzählt eine Männerstimme von seinem Eindringen in den Wald, der Suche nach einer Eule. Bonnetta ist mit einer Nachtsichtkamera ausgestattet, die eigentümliche Bilder der Umgebung aufzeichnet. Irgendwann erfasst sie eine Eule, eine Stunde währt das Zusammensein mit dem Tier, das lange im Ruf eines schlechten Omens stand. Der weiße Kopf ist gut sichtbar, sie putzt sich, dann fliegt sie davon. Die Begegnung wirkt aufgeladen, geradezu zärtlich als zeichnete die Eule mit ihrer Anwesenheit den Menschen aus. Wir können den Lebensraum der Vögel verkleinern, sie in Käfigen halten, doch um die Fähigkeit des Fliegens werden wir sie immer beneiden.

