Museum Kunst der Westküste,
Hauptstr. 1, Alkersum auf Föhr.
Informationen unter www.mkdw.de/de/artists-in-residence
Aktuelle Ausstellung: Art. Science. Fiction.
Mit Arbeiten von Alexandra Hunts, Sjoerd Knibbeler, Sophia Pompéry und Ulrike Schmitz.
Bis 10. Januar 2027.
Alkersum – Wer nach Alkersum kommt, findet nicht das touristische Föhr der Postkartenmotive. Das kleine Dorf liegt im ruhigen Inselinneren, zwischen Marschland, Knicks und den weiten Horizonten der Nordseeinsel. Hier befindet sich das Museum Kunst der Westküste (MKdW), das seit seiner Eröffnung zu den bedeutendsten Kunstinstitutionen Norddeutschlands zählt. Doch das Haus ist nicht nur Ausstellungsort. Es ist zugleich ein Ort, an dem Kunst entsteht.
Seit 2010 lädt das Museum internationale Künstlerinnen und Künstler zu Arbeitsaufenthalten auf die Insel ein. Das Artist-in-Residence-Programm gehört inzwischen fest zum Profil des Hauses. Eingeladen werden Kunstschaffende, deren bisheriges Werk Berührungspunkte mit den Themen des Museums aufweist: Landschaft, Natur, Küstenräume, Wahrnehmung und das Verhältnis von Mensch und Umwelt. Die Aufenthalte ermöglichen konzentriertes Arbeiten fernab urbaner Kunstzentren – und eröffnen zugleich neue Perspektiven auf einen Ort, der seit Jahrhunderten Künstlerinnen und Künstler anzieht.
Direkt am Museum steht den Gästen eine reetgedeckte Künstlerwohnung mit Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung. Für Tage oder Wochen wird Föhr zum Lebensmittelpunkt. Dabei dient die Insel nicht nur als Kulisse, sondern wird selbst zum Ausgangspunkt künstlerischer Prozesse. Das besondere Licht des Wattenmeers, die Weite der Landschaft, die Gezeiten und die entschleunigte Atmosphäre prägen viele der Arbeiten, die hier entstehen. Oft entwickeln sich Projekte erst während des Aufenthalts oder erhalten durch die Begegnung mit der Insel eine neue Richtung.
Zu den Künstlern, die immer wieder nach Föhr zurückkehrten, gehört der Fotograf Thomas Wrede. Bereits 2010 zeigte das Museum seine Ausstellung „Anywhere“. Später kehrte er mehrfach als Artist in Residence nach Alkersum zurück. Während eines Aufenthalts entstand die Arbeit „Früher Morgen bei den Korallenmoosinseln“, für die Wrede eigens angefertigte Miniaturinseln in einer Wasserfläche des Wattenmeers inszenierte. Wie viele seiner Fotografien bewegt sich das Bild zwischen Realität und Illusion und macht sichtbar, wie ein konkreter Ort zum Auslöser neuer künstlerischer Ideen werden kann.
Wrede ist nur einer von zahlreichen Gästen, die das Programm in den vergangenen Jahren geprägt haben. Künstlerinnen und Künstler wie Elina Brotherus, Nicole Ahland, Anja Jensen oder Susanne Kessler haben während ihrer Aufenthalte sehr unterschiedliche Zugänge zur Insel entwickelt. Die daraus entstandenen Werke reichen von fotografischen Landschaftsbefragungen über konzeptuelle Arbeiten bis hin zu installativen Formaten.
Die Bedeutung des Programms zeigt sich auch darin, dass viele der Arbeiten später Eingang in Ausstellungen des Museums fanden. Mit der Ausstellungsreihe „Made on Föhr“ machte das MKdW sichtbar, wie vielfältig die künstlerischen Reaktionen auf denselben Ort ausfallen können. Dabei wird deutlich, dass Föhr weit mehr ist als Motiv oder Hintergrund. Die Insel wird zum Resonanzraum für Beobachtungen, Experimente und neue Fragestellungen.
So setzt das Artist-in-Residence-Programm eine Tradition fort, die auf Föhr weit zurückreicht. Schon lange vor der Gründung des Museums zog die Insel Maler, Fotografen und Schriftsteller an. Heute knüpft das MKdW an diese Geschichte an – nicht als Erinnerungsort, sondern als lebendiger Produktionsort zeitgenössischer Kunst. Wer nach Alkersum kommt, begegnet deshalb nicht nur fertigen Werken. Mit etwas Glück trifft man auch auf jene, die gerade dabei sind, sie zu schaffen.




