Jay Payton bei Lovay Fine Arts, an der Liste Art Fair Basel, Messe Basel, Halle 1.1.
Montag 18.00 bis 20.00 Uhr, Dienstag bis Samstag 12.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag 11.00 bis 16.00 Uhr.
15. bis 21. Juni 2026.
liste.ch
Wie konnte es nur so weit kommen, dass sich der Mensch derart an den Rand seiner physischen Existenz gewirtschaftet hat und jetzt niemand da ist, der ihm helfen könnte, außer er selbst? Es ist eine ziemlich verfahrene Lage, die Jay Payton (*1992) ins Zentrum seiner Kunst rückt, und er tut das mit den Mitteln der Malerei.
„The Cruel and Violent Nature of the Domesticated Homo Sapiens“ hieß die jüngste Ausstellung des New Yorkers bei 15 Orient in Brooklyn. Zu sehen war dort unter anderen das Bild „Jhators ‘Giving Alms to the Birds’“, das vier unterschiedlich große Formate passgenau in einem rechteckigen Layout zusammenbringt. Der Rahmen wirkt plausibel angesichts der schieren Energie, die hier eingesperrt ist. Das Gravitationsfelds des Bildes ist ein brodelnder Matsch in Schwarz, Rot und Orange, atmosphärisch nahe an der giftigen Glut, die Urzustand und Endzustand der Welt in unserer Vorstellung miteinander verbindet. Flankiert wird diese überhitzte Bildhälfte von kleinen, kühleren Formaten, die mit Erde, Eis und Nebel einen Ausblick auf eine postkatastrophische Zukunft geben. So viel Hoffnung muss sein.
Paytons Bilder verdanken sich ständiger Akkumulation und Transformation, spürbar angereichert mit der Lebens- und Arbeitszeit des Künstlers. Die Suggestivkräfte des Materials stehen ganz im Vordergrund. Auf den schrundigen, krümeligen Oberflächen tauchen dabei immer wieder Alltagsobjekte auf wie der Müll einer längst vergangenen Gegenwart der Menschheit. Rasierklingen, Platinen, Lippenstiftpigmente, Alublech. Die Titel – „Condensation From Your First Breath“, „Right Before the Skull Hardens, the Soul Enters the Body“ – lenken den Blick oft auf fragile Zustände des Lebens. So gesehen könnte man Paytons Malerei als bildgebendes Verfahren für die ungelösten Rätsel der Menschwerdung und ihrer Krisen beschreiben – mehr noch aber als eine an Künstlern wie Jack Whitten oder Sam Gilliam geschulte Auseinandersetzung mit der Natur der Abstraktion als kunsthistorisches Konzept und als phänomenologischer Prozess.

