Marius Steiger bei Blue Velvet an der Art Unlimited, Art Basel, Messe Basel, Halle 1.
Donnerstag 11.00 bis 19.00 Uhr.
18. bis 21. Juni 2026.
artbasel.ch
bluevelvetprojects.com
Der in Bern und London lebende Marius Steiger (*1999) gehört zu einer Generation von Künstlern, die Malerei als Schnittstelle zwischen physischer und digitaler Wirklichkeit begreifen. Ausgangspunkt seiner Arbeiten sind eigens entwickelte 3D-Renderings, die er in objekthafte Gemälde übersetzt. Seine Werke bewegen sich dabei zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen materieller Präsenz und virtueller Simulation.
Marius Steiger absolvierte die Grafikfachklasse an der Schule für Gestaltung Bern und Biel. 2022 wurde er mit einem Stipendium des Patronage Fonds für Junge Schweizer Künstler:innen der Kunsthalle Basel ausgezeichnet und setzte seine Ausbildung am Royal College of Art in London fort, wo er 2023 den Masterstudiengang Painting abschloss.
Steigers künstlerische Praxis kreist um Fragen der Wahrnehmung, der kulturellen Erinnerung und der Bildproduktion im digitalen Zeitalter. In seinen Arbeiten verbindet er kunsthistorische Referenzen mit einer Ästhetik, die an Computersimulationen, Architekturvisualisierungen oder virtuelle Bildräume erinnert. Im Zentrum steht dabei die Frage nach Authentizität und Künstlichkeit: Die hyperrealistisch wirkenden, makellos ausgeführten Oberflächen suggerieren Realität und legen zugleich ihre digitale Konstruktion offen. Das Bild erscheint dabei zugleich als trügerische Oberfläche, deren Illusion sich jederzeit aufzulösen scheint.
Formal orientiert sich Steiger an Traditionen der Trompe-l´Oeil-Malerei und des Stilllebens, die er in eine zeitgenössische Bildsprache überführt. Wiederkehrende Motive wie Fahrzeuge, Bücherregale, architektonische Fragmente, klassische Büsten oder abstrakte Himmelskörper erscheinen als Chiffren kollektiver Erinnerung, deren ursprüngliche Bedeutung sich im Zeitalter unendlicher digitaler Reproduktion verändert hat – vertraut und zugleich entrückt. Charakteristisch für seine Arbeiten ist zudem die Auflösung klarer Grenzen zwischen Bild und Objekt. Seine geformten Leinwände und installativen Anordnungen entwickeln eine skulpturale Präsenz und beziehen die Architektur aktiv in die Wahrnehmung ein. Es entstehen immersive Bildräume, in denen Malerei nicht nur als Oberfläche erscheint, sondern als räumliche Erfahrung, die den Blick lenkt, Sichtbarkeit kontrolliert und Illusion bewusst inszeniert. Inhaltlich setzt sich Marius Steiger mit Themen wie Konsumkultur und Archivierung, mit der Beharrlichkeit visueller Erinnerung und ikonischer Formen auseinander. Seine Werke reflektieren, wie Bilder über Generationen hinweg tradiert, transformiert und in neue Kontexte überführt werden. Dabei verbindet er kunsthistorische Bezüge – von antiker Skulptur über Rokoko-Malerei bis hin zur Tradition des Vanitas-Stilllebens – mit einer Bildsprache, die von digitalen Interfaces und künstlichen Oberflächen geprägt ist.
Steigers Arbeiten zeichnen sich durch eine eigentümliche Spannung aus: Sie entfalten eine Atmosphäre, in der Monumentalität und Leere, Vertrautheit und Künstlichkeit ineinander übergehen. Gerade in dieser Ambivalenz entwickelt seine Malerei eine stille, fast filmische Atmosphäre, in der das Virtuelle eine eigene Form von Realität annimmt.




