Gerta Xhaferaj

Gerta Xhaferaj
Gerta Xhaferaj, A Pause, a Rose, Something on Paper, 2024, Ausstellungsansicht zentral! XL,Kunstmuseum Luzern, 2025, Courtesy of the artist, Foto: Marc Latzel
Porträt
9. Juni 2026
Text: Annette Hoffmann

Gerta Xhaferaj bei den Swiss Art Awards, Messe Basel, Halle 1.1.
Montag 18.00 bis 22.00 Uhr, Dienstag bis Samstag 10.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.
15. bis 21. Juni 2026.
swissartawards.ch
Kunstmuseum Luzern, Europaplatz 1, Luzern.
Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 11.00 bis 19.00 Uhr.
28. November 2026 bis 31. Januar 2027.
www.kunstmuseumluzern.ch

Vermutlich war es Gerta Xhaferajs Vater in den späten 1990er Jahren ganz natürlich vorgekommen, die unscharfen Stellen der Fotos seiner Tochter mit Blumen aufzuhübschen. Schließlich war Albanien lange genug eine Diktatur. Jahre später als Gerta Xhaferaj (*1993) ein Kunstprojekt aus diesen Fotos machte, erkannte sie die Retusche als einen wohlmeinenden Akt der Zensur. Dazu hatte es vielleicht nicht allein die zeitliche Distanz, sondern auch die räumliche gebraucht. Xhaferaj, die in Tirana Architektur studiert hatte, fügte in Basel ein Kunststudium an. Ihre Herkunft aus einem Land, das über Jahrzehnte von Enver Hoxha rigide regiert wurde und nach dessen Tod 1985 sich in einer schwierigen Übergangsphase befand, bestimmt bis heute ihre Kunst. Zensur und Unterdrückung gehören zu ihren wesentlichen Themen, die sie in verschiedenen Medien umsetzt.

Als ausgebildete Architektin hat Gerta Xhaferaj einen Blick für die alte Bausubstanz einer Gesellschaft. Sie interessiert sich für die fragilen Passagen, die sich unter dem Alltag befinden, für die Orte und Dinge in unseren Leben, die wir sehen, aber nicht wahrnehmen. Das können Spuren sein, die übrig geblieben sind, nachdem das vorherige Leben ausradiert wurde oder Träume für die Zukunft, die aufgegeben wurden und sich allenfalls in der Peripherie gehalten haben. Etwa die Häuser, die in Eigenregie und oftmals ohne Genehmigung in Albanien gebaut wurden. In der letzten Jahresausstellung im Kunstmuseum Luzern „zentral! XL“ hatte Gerta Xaferaj eine Reihe von großformatigen Fotos gezeigt, die sie als Jugendliche auf Familienfeiern gemacht hatte und die sie mit Bitumen überzogen hatte. Das Bitumen macht das Fotografierte unkenntlich, bis auf eine Flamme, die man zu sehen glaubt. Es hat Verlaufsspuren und Schlieren auf den Fotos hinterlassen und geht mitunter über den Rahmen hinaus. Ihre Arbeit wurde mit dem Preis der Kunstgesellschaft Luzern ausgezeichnet, im nächsten Winter wird sie die Solo-Ausstellung im Rahmen der Jahresschau ausrichten.