Énergies fossiles.
Rehmann Museum, Schimelrych 12, Laufenburg.
Mittwoch bis Sonntag 14.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 5. Juli 2026.
www.rehmann-museum.ch
Folgt man der Spirale, kommt man an kleinen Objekten vorbei, die am Stoff befestigt und schwer einzuordnen sind. Fossil oder Kunst, oder noch besser ein Artefakt, dessen Ursprung im Unklaren bleiben kann? Im oberen Raum des Museum Rehmann windet sich eine lange Textilbahn in Form eines Schneckenhauses, eines Ammoniten oder eines eingerollten Farnwedels. Die Spirale scheint selbst so etwas wie ein Lebendes Fossil zu sein. Man ist in diesem Raum absorbiert, von seinen Lichtverhältnissen umfangen und hört gedämpft eine Soundarbeit von Pauline Marx. Nur weil man weit in die Erdgeschichte reist, heißt das ja nicht, dass diese Aneignung nicht zeitgenössisch klingen kann. Marx, die auch Musikerin ist, hatte nach einem vorbereitenden Besuch in Laufenburg auf der Heimreise in die Bretagne Ton aus Frick mit im Gepäck. Aus ihm sind die vielen kleinen Objekte am bemalten Stoff, die wie Gefäße, aber auch wie stachelige Urwesen aussehen, sowie ihre von der Decke hängenden Leuchtobjekte „Lampes fossiles“ in der ehemaligen Gießerei. Weil sich Pauline Marx nicht allein auf diese Reise machen wollte, suchte sie sich in Frankreich Partnerinnen und Partner, aber auch im schweizerischen Laufenburg und im benachbarten Baden. Wer wollte schon, wenn es um fossile Energie geht, in Grenzen denken.
Wenn wir Gestein verarbeiten oder Gas, Kohle und Öl verbrennen, vernichten wir Erdgeschichte. An einem Ort wie Laufenburg kann einem das durchaus bewusster sein. In Frick, etwa zehn Kilometer entfernt, werden seit den 1960er Jahren Dinosaurierknochen, mitunter ganze Skelette gefunden. Als Leihgaben sind einige der Exponate aus dem Sauriermuseum Frick, darunter der Fuß eines Plateosauriers in die Ausstellung integriert. Und so könnte es ausgesehen haben: neben den zerstreuten Knochen, sozusagen der Miniaturausgabe dieser sieben bis acht Meter großen Echse, sieht man in Umrissen eine zerdrückte PET-Flasche und eine Spitzhacke. Es ist der Filzteppich „Un tapis d’excarvation“ von Aëla Maï Cabel, Jérémy Piningre und Théophile Peris. Die drei haben eine Fundstelle als eine Art Comiczeichnung auf die Wolle übertragen. Die Überreste aus der Urzeit liegen neben Ausgrabungsmaterial und Zivilisationsmüll, der – und das sollte man nicht ironisch nehmen – aus Öl produziert wurde.
Man kann sich in dieser Ausstellung wie in einem Vexierbild fühlen. Da werden Belemniten und andere Fossilien präsentiert, Wirbel und Knochen sind aus Ton oder auch monumental in Holz. Schachtelhalme und Farne kommen in ihrer heutigen, eher bescheidenen Größe als Elemente von Arbeiten vor, man kann sie auch riechen und viele Pflanzen dienen als Farbstoffe. Und da hier alles so munter, geradezu alchemistisch miteinander verbunden ist, geben die Kunstschaffenden oft auch ihre Autorschaft auf. Vieles ist in Zusammenarbeit produziert, trennunscharf präsentiert, vor allem vom Grundgedanken der Ausstellung getragen: einer gemeinsamen Energie. Je weiter man in der Geschichte zurückgeht, desto weniger lässt sich Natur und Kunst trennen.
Wo das konkrete Wissen fehlt und nur Fragmente überliefert sind, hilft die Kunst weiter. Oft auch mit poetischem Mehrwert. Im Ausstellungsraum liegen Texte aus. „Under dine Füess erinnert sich öppis“, heißt es etwa. Im weitesten Sinne erinnert hier alles an früheres Leben. Selbst die Webarbeiten von Karola Kauffmann, die nicht allein gebrauchte Textilien verwendet, sondern auch synthetisches Material wie Tonbänder, für dessen Herstellung Erdöl nötig waren. Überhaupt sind alle angewandten Techniken wie das Weben oder das Töpfern altes Handwerk, die Materialien wiederum nicht minder Speicher von Energie. In manche Keramikobjekte sind Ammoniten eingefügt, Glasuren sind mineralischer Natur, die Objekte der Keramikerin Frauke Roloff gehen durch den Rauchbrand. Sie hat sich intensiv mit prähistorischen Gefäßen befasst und im Museum Rehmann ist eine größere Zusammenstellung ihrer Objekte zu sehen sowie ihre kleinen Assemblagen auf alten Holzbrettern. Das alles raunt auf eine humorvoll gebrochene Weise, fabuliert und erfindet Fakten. Denn die Spirale führt durchaus auch in die Zukunft.




