Julia Heyward

Julie Heyward, Self-Portraits, 1969/70, Courtesy the artist
Preview > Münster > Westfälischer Kunstverein
23. Februar 2026
Text: Dietrich Roeschmann

Julia Heyward: Voices of Many Voices.

Westfälischer Kunstverein, Rothenburg 30, Münster.
Mittwoch bis Sonntag 11.00 bis 19.00 Uhr.
7. März bis 31. Mai 2026

westfaelischer-kunstverein.de

[—artline>Nord] Als Julia Heyward (*1954) ihr Studium an der Washington University in St. Louis abgeschlossen hatte und Mitte der 1970er Jahre für die Teilnahme am Whitney Independent Study Program nach New York zog, war sie nicht die Einzige, die es in die Stadt zog. Aus Kalifornien kamen junge Kunstschaffende wie Jack Goldstein, James Welling und Matt Mullican, aus der umliegenden Provinz Sherrie Levine, Cindy Sherman, Louise Lawler. Einige von ihnen waren 1977 an der Gruppenschau „Pictures“ in der alternativen Galerie Artists Space beteiligt. Die Ausstellung gilt als eines der ersten Ereignisse der Postmoderne in der Kunst. Was die Künst­ler:innen verband, war die Erfahrung, in einer von Massenmedien, Kino und Werbung geprägten Welt aufgewachsen zu sein. Nicht zufällig war es vor allem das unerschöpfliche Reservoir an bereits exis­tierenden Bildern, mit dem sie arbeiteten. Später prägte der Kunstkritiker Douglas Crimp für diese bis heute einflussreiche US-amerikanische Kunstbewegung den Begriff „Picture Generation“.

Auch Julia Heyward gehörte zu dieser Szene. Anfang der 1980er Jahre wurde sie international bekannt vor allem durch ihre Musikvideos für Bands wie Talking Hands, Boogie Boys oder das von ihr unter dem Pseudonym Duka Delight gegründete Post-Punk-Projekt T-Venus. Dass ihr künstlerisches Werk in Europa dagegen bislang noch nie in einer Einzelausstellung gezeigt wurde, ist erstaunlich. Dieses Versäumnis holt der Westfälische Kunstverein Münster nun nach, in Kooperation mit dem Nürnberger Kunstverein, wo seit November 2025 bereits der erste Teil von Julia Heywards Soloschau „Who needs bondage? Isolation will do“ zu sehen ist.

Im Zentrum der von Theresa Roessler kuratierten Ausstellung in Münster wird Heywards experimenteller und kritischer Umgang mit Sprache als Machtinstrument stehen. Seit Ende der 1960er Jahre verhandelt die US-Amerikanerin in ihren Performances, Texten und Videos Fragen nach Familie, Klasse, Trauma und Geschlecht sowie Strategien der Selbstmystifizierung. „Mein Ziel ist es, multimediale Arbeiten zu schaffen, die aus meinem tiefsten Innern stammen und sprechen – wo sich Fakten und Fiktion, Glaube und Körper, Partikel und Wellen verbinden“, sagt Heyward. Einige der in Münster gezeigten Videoarbeiten, Fotografien, Storyboards und Alben aus den vergangenen 50 Jahren künstlerischer Praxis sind zum ersten Mal zu sehen, der Schwerpunkt von „Voices of Many Voices“ liegt auf den frühen Solo-Performances. Die Ausstellung findet ihm Rahmen des Jahresprogramms „The Puzzle’s Pulled Apart“ statt, das sich unterschiedlichen Dimensionen von Sprache wie Poetik, Materialität und Verkörperung widmet.