Cantonale Berne Jura: Guadalupe Ruiz

Guadalupe Ruiz
Guadalupe Ruiz, Behind us, Las indianas, 2025, Video,
Thema > Jahresausstellungen > Statement
6. Dezember 2025
Text: Guadalupe Ruiz

Guadalupe Ruiz, *1978 in Bogotá, Kolumbien, lebt und arbeitet in Biel/Bienne.
cargocollective.com/lupita
guadaluperuiz129

Cantonale Berne Jura.
Kunsthalle Bern, Helvetiaplatz 1, Bern.
14. Dezember 2025 bis 8.Februar 2026.

Kunsthaus Biel / Centre d’Art Bienne, Seevorstadt 71-73, Biel/Bienne.
14. Dezember 2025 bis 1. Februar 2026.

Guadalupe Ruiz
Guadalupe Ruiz, Hermano, 2024. Videostill. Courtesy the artist, © Guadalupe Ruiz
Guadalupe Ruiz
Guadalupe Ruiz, Las indianas, 2025, Courtesy the artist, Foto: Gina Folly für das BAK© Guadalupe Ruiz

Meine Arbeit dreht sich um die Erforschung des Alltäglichen, die Komplexität der Wahrnehmung und die Schönheit des Gewöhnlichen. Im Laufe der Jahre ist die Fotografie zu meinem wichtigsten Medium für Forschung, Verständnis und Erzählung geworden. Durch sie sammle ich Objekte, Momente und Fragmente, die eine verborgene Bedeutung in sich tragen, und decke durch sorgfältige Beobachtung und Neuinterpretation ihre tiefere Bedeutung auf.

Das Leben zwischen zwei Ländern hat meine Perspektive tiefgreifend geprägt. Dieser Zwischenraum, in dem Kulturen und Erfahrungen zusammenfließen, beeinflusst, wie ich mich mit Themen wie Identität, Zugehörigkeit und der Komplexität des Selbst auseinandersetze. Er hat mich gelehrt, Unvollkommenheit anzunehmen, Inspiration in Mehrdeutigkeit zu finden und den kreativen Prozess als eine fortwährende Reise zu betrachten und nicht als ein festes Ziel.

Sprache spielt eine zentrale Rolle in meiner Arbeit – wie Geschichten erzählt werden, wie sich Bedeutungen in der Übersetzung verschieben und wie sich die Nuancen meiner Muttersprache durch meine Erzählungen ziehen. Ich hinterfrage die Natur von Bildern und den Akt des Sehens selbst. Fotografie ist für mich sowohl ein Akt der Fixierung als auch ein Prozess der Transformation, ein Versuch, etwas zu bewahren, das sich immer der vollständigen Erfassung entzieht.

Die Stickerei ist zu einer wichtigen Erweiterung dieser Auseinandersetzung geworden. Indem ich Bilder durch die taktile Handwerkskunst des Stickens transkribiere, beschäftige ich mich mit einem Prozess der Neuschöpfung. Die Stickerei ermöglicht es mir, das Vergängliche in Materielles zu übersetzen und die Grenzen zwischen Bild und Objekt zu verwischen. Dieser Akt der Übertragung spiegelt wider, dass nur die eigenen Augen die Essenz einer flüchtigen Erfahrung wirklich einfangen können. Ich finde Inspiration im Alltäglichen – in der Offenbarung des Häuslichen, in der übersehenen Schönheit des täglichen Lebens. Mein Ziel ist es, die verborgenen Schichten der Dinge zu enthüllen, ihre wahrhaftigsten, ehrlichsten Seiten zu zeigen und andere dazu zu inspirieren, die Welt mit neuer Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu sehen.

(Aus dem Englischen, Anm. d. Red.)