Martin Chramosta, Das Schloss.
Palazzo Liestal, Bahnhofplatz, Liestal.
Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 13.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 26. Oktober 2025.
www.palazzo.ch
Ausgerüstet mit scharfen Zacken und Kanten treten die drei „Sorelle“ im ersten Raum entgegen. Als Wächterinnen hüten sie „Das Schloss“, eine ortspezifische Kunstinstallation von Martin Chramosta (*1982). Visuell erinnern die drei Wehrhaften nicht nur an Wimpel, sondern auch an Waffen. Mehrdeutig ist auch ihr Titel, der nicht nur auf adlige Erbfolgekämpfe, sondern mit der Verballhornung „Sorela“ auch auf die Kunst des Sozialistischen Realismus anspielt. Schon früher hatte Chramosta sein Interesse für Schlösser in einer augenzwinkernden Serie von in Keramik gegossenen Hüpfburgen verfolgt. Nun ist gleich eine ganze Festung in den sechs Sälen der Kunsthalle in Liestal zu sehen. In dem verrätselten Rundgang treten Metall-Plastiken mit eingelegter Keramik, Tonreliefs und ein Video in Dialog und spielen raumübergreifend mit architektonischen, historischen, biografischen und politischen Referenzen. Die unterschiedlich gestimmten Räume, worin sich Innen- und Aussensicht einer Burganlage durchdringen, sind durch hölzerne Toren getrennt, die aus groben Dachlatten und einer filigranen dekorativen Einlage bestehen. Im Schlossgarten klettern kleine Aluminiumgüsse von Inseln oder Ländern wie Pflanzen die Wände empor. Sie erinnern an imperialistisches Streben, das heute wieder von grösster Aktualität ist. Die Minne wird mit dem Wandrelief eines Rosenstrausses aus metallenen Fundstücken gefeiert, abgeschottet von einer ruinösen Schreberhütte mit einem Video, das einen Strom stilisierter Blütenmotive eines alten Gartenzauns aus Brünn zeigt.
Während mehrerer Aufenthalte in Osteuropa sammelte Chramosta, der selbst tschechische Wurzeln hat, historische Fragmente, die er lustvoll in seine neuen Arbeiten einbaut und so Wandel und Kontinuität von Symbolen in der Zeit befragt. Da sind heraldische Motive wie ein gekrönter Schwan aus den 1930ern, der noch heute das Dach eines Kaufhauses in Prag ziert oder ein Harfe spielender Löwe mit zwei Schwänzen, Symbol des Plattenlabels „Supraphon“ von 1932. Als imposante Metallkonstruktionen, wirken diese „Anténas“ wie Sender einer untergegangenen Ära, die noch immer ihre Botschaft verströmen. Angekommen auf dem Schlossdach mit gemauerten Schornsteinen, führt der Blick in die Ferne auf die umgebenden Palastfassaden. Das sind kleine Terrakottareliefs, die vergangene und gegenwärtige Baustile zitieren. Auf dem etwas unheimlichen Kirchhof, erheben sich mehrere Grabstelen unter einem Spinnennetz. Sie führen zur kleinen Kammer der Erkenntnis: Ein letztes Wort, der steingravierte Begriff „ĚTRE“ mit Hatschek-Zeichen erinnert an den berühmten Roman von Milan Kundera „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“.




