Guido Weggenmann.
Städtische Galerie im Leeren Beutel, Bertoldstr. 9, Regensburg.
13. September bis 2. November 2025.
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 16.00 Uhr.
www.regensburg.de/Kultur/Museen
„Starthilfe“ klingt nach Panne und leerer Batterie. Manchmal kann natürlich auch der Lebensmotor stottern und man braucht einen Schubs. Dann kann Starthilfe auch nach Bürokratie und Ämtergängen klingen. Wie auch immer, reibungslos ist weder das eine noch das andere. In Guido Weggenmanns gleichnamiger Installation gibt eine Kasperlefigur einem der gelben Hunde, die ihn in umringen, einen Tritt und das Ganze bewegt sich. Sein Bein sieht ungewöhnlich lang aus als sei er für diesen Job geradezu prädestiniert, die Kasperlefigur zeigt hier einmal mehr ihre dunkle Seite. Wer will, kann hier ein Modell für Lohnarbeit sehen oder die Diktatur eines Tricksters, wenn nicht gar eines Clowns.
Gefunden hat Weggenmann die Kasperlefigur auf einem Flohmarkt. Überhaupt versteht sich der in Kempten lebende Künstler als Sammler. Seine Funde sind anschlussfähig, denn eigentlich beruhen Weggenmanns Arbeiten – selbst seine Malerei – auf dem Prinzip der Collage. Alles geht grundsätzlich mit allem zu Gunsten eines höheren Sinns. Nach Ausstellungen in Sonthof, in der Mewo Kunsthalle Memmingen und derzeit in der Galerie Noah in Augsburg werden seine Werke nun in einer Einzelausstellung in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel Regensburg zu sehen sein.
Weggenmann wurde 1980 in Berlin geboren, ist mit dem Allgäu aber stark verbunden. Nach einer Ausbildung zum Holz- und Steinbildhauer studierte er an der Akademie der Bildenden Künste München und schloss als Meisterschüler von Olaf Metzel ab. In Kempten hat er sich nicht nur ein besonderes Netzwerk aufgebaut, das ihn mit Materialien aller Art versorgt, er ist auch zu einem lokalen Aktivposten geworden, der Ausstellungsmöglichkeiten auftut und auch anderen Kunstschaffenden Sichtbarkeit verschafft. Und da Weggenmann auch ein Tüftler ist, sind viele seiner Arbeiten kinetisch. Sie bewegen sich, oft ausgelöst durch die Betrachtenden.
Dass die Gegenstände, die Weggenmann zu Objekten verbindet, ihr besondere Patina haben, ist dem Künstler wichtig. Die Patina transportiert Narrationen. „Jedes Ding erzählt eine Geschichte – von Arbeit, Risiko, Ernährung, Kindheit und so weiter“, hat Weggenmann einmal in einem Interview gesagt. Er transformiert diese Geschichten in andere, in gesellschaftliche, die auch etwas über den Zustand der Welt aussagen. Und dafür braucht es nicht die großen Kunstzentren, das geht auch jenseits der Metropolen. An Orten, die erden und den Kopf frei machen.


