Der Weg ins Jenseits

Museum der Kulturen Der Weg ins Jenseits
Dia einer Beerdigungsfeier aus Bali mit Krematoriumsturm, 1972/1973, Courtesy Museum der Kulturen Basel
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26. August 2025
Text: Annette Hoffmann

Der Weg ins Jenseits.
Museum der Kulturen Basel, Münsterplatz 20, Basel.
Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.
5. September 2025 bis 26. April 2026.
www.mkb.ch

250 Objekte sind ziemlich viele, bedenkt man, dass sie lediglich auf Spekulation beruhen. Doch unsere Unkenntnis, was mit uns passiert, wenn wir sterben, hat die Menschen noch nie gehindert, eine Kultur des Jenseits hervorzubringen. Wir kennen Vorstellungen von der Dualität des sterblichen Körpers und der unsterblichen Seele, vom Jüngsten Gericht, Fegefeuer, von der Hölle, der Wiedergeburt und Erlösung. Die Objekte, die in der Ausstellung „Der Weg ins Jenseits“ zu sehen sind, stammen weitestgehend aus der eigenen Sammlung des Museum der Kulturen Basel, sie repräsentieren die abrahamitischen Religionen, aber auch die Spiritualität in Japan, Burma, Bali und Tibet. Sie veranschaulichen, wie sich Gesellschaften den Übergang vom Leben zum Tod denken. Die ältesten Objekte sind gut 150 Jahre alt, eines der zentralen Ausstellungsstücke ist ein Kremationsturm aus Bali.

Die Schau setzt beim Sterben ein und so greift die Szenografie das Bild eines Tunnels, der zum Licht führt, auf. Und sie endet bei neurologischen Forschungen. Einige Exponate erzählen von heldenhaften Wiedergängern aus dem Jenseits, andere von Schamanen, die im Trancezustand Kontakt zu den Ahnen aufnehmen und den Lebenden mit Rat und Medizin zur Seite stehen. In manchen Ländern glaubt man die Ahnen ständig unter sich, vergisst man sie oder behandelt sie schlecht, können sie die Lebenden mit Krankheiten und Unfällen heimsuchen. Während in Mexiko bekanntlich mit dem Dia de Muertos der Tag gefeiert wird, an dem sich einmal im Jahr eine Tür zum Jenseits öffnet und die Verstorbenen zurückkehren, es ist ein Fest des Lebens und des Todes. Im Museum der Kulturen Basel ist ein mehrstufiger Altar in Studentenblumenorange von Pepe Villegas aufgebaut, bekrönt mit einem doppelköpfigen Kolibri und bewacht von einem Hund mit einer Kette aus Totenköpfen. Im gleichen Raum wird sich ein neuheidnischer Wicca-Altar befinden. 

Textilien werden den Toten mit auf ihre Reise gegeben, oft werden sie von Tieren begleitet. In Ozeanien spielen Malagan-Figuren eine Rolle beim Gedenken an die Toten. Abschiedsriten dienen auch den Zurückbleibenden in ihrer Trauer und schließen die Lücken in Gemeinschaften. „See you on the other side“ hat der in Basel lebende indonesische Künstler Eddie Hara sein Mural im Museum genannt. Neben und über mehräugigen Wesen und auch manchem Totenschädel sieht man einen Hasen und recht viele Comicanleihen. Das Jenseits sollte eine Welt ohne Hass sein, meint Hara. Das wäre ja schon mal was, und Humor ist, wenn man trotzdem lacht.