Tobias Bradford

Tobias Bradford
Tobias Bradford, Stage Fright, 2021,© Tobias Bradford & Galerie Fabian Lang, Zurich, Foto: Gus Macleod
Porträt
12. Juni 2022
Text: Dietrich Roeschmann

Tobias Bradford bei Fabian Lang, Zürich, an der June Art Fair Basel, Riehenstr. 90b, Basel, 13. bis 19. Juni 2022.
www.june-art-fair.com

Tobias Bradford
Tobias Bradford, Stage Fright, 2021,© Tobias Bradford & Galerie Fabian Lang, Zurich, Foto: Gus Macleod
Tobias Bradford
Tobias Bradford, Stage Fright, 2021,© Tobias Bradford & Galerie Fabian Lang, Zurich, Foto: Gus Macleod

Wenn Tobias Bradford ganz still in seinem Studio sitzt, dann macht er sich manchmal Gedanken über das Leben der Dinge. Zum Beispiel wenn der Kühlschrank plötzlich anfängt zu brummen, ohne Ankündigung, aber mit gutem Grund – weil ihm zu warm geworden ist. Für den 1993 im schwedischen Øerbro geborenen Künstler sind solche Beobachtungen der Stoff, aus dem er seine traumartigen Installationen entwickelt. In den Räumen des Londoner Kollektivs Huxley Parlour etwa zeigte er im vergangenen Sommer ein humorvoll gespenstisches Setting mit roh aus Kabeln, Latten, gebrauchten technischen Geräten und hölzernen Fingerattrappen zusammengebastelten Figuren. Ein vogelscheuchenhaftes Wesen spielte Akkordeon, als Kopf baumelte daneben eine Trommel von der Decke, aus der unwillkürlich ein dumpfes Pochen klang. Dazu wiegte auf einem Hocker am Bühnenrand eine ausgestopfte Ente ihren Kopf und schnatterte in ein Mikrofon, während am Boden eine animierte Unterarm- und Handprothese auf einem alten Keyboard herumklimperte.

Bradford interessiert sich in seinen Arbeiten für die Projektion menschlicher Fähigkeiten auf Objekte. Mit unübersehbarer Freude am Puppenspiel und einem stillen Hang zum Illusionismus kombiniert er dafür Konzepte des Maschinenbaus und der Robotik, um am Ende ausgerechnet mit einem Haufen toten Materials in eine produktive Auseinandersetzung über das Wesen der Autonomie einzusteigen. Das ist hinreißend komisch und zugleich von großer Ernsthaftigkeit. „Ein Objekt, das scheinbar aus eigenem Interesse handelt, enthält viele Hinweise auf den freien Willen und das Selbst im philosophischen Sinne“, sagt Bradford über seine Arbeit. „Die Reibung zwischen dem rationalen Denken und dem eigenen emotionalen Erleben der Welt kann durch widersprüchliche sensorische Informationen verstärkt werden. Ähnlich wie ein Wort, wenn es wiederholt ausgesprochen wird, ins Absurde zu kippen droht, kann eine Handlung oder ein Moment, der in einer Endlosschleife steckt, etwas von der Seltsamkeit des Alltags offenbaren“.