Culturescapes: von Ländern zu Krisenzonen

Culturescpaes, Infante
Manuela Infante, Estado Vegetal, © Isabel Ortiz
Thema
1. November 2021
Text: Annette Hoffmann
Culturescapes Andujar
Claudia Andujar, Susi Korihana theri,Catrimani, Roraima State, Brazil, 1972-1974, © Claudia Andujar

Amazonien ist Exempel und Testfall für die neue Ausrichtung des spartenübergreifenden Festivals Culturescapes. Nachdem bei dieser alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung bislang Länder im Fokus standen, wird es zukünftig um Regionen gehen, die nicht an Ländergrenzen enden. Das passt für eine Kulturveranstaltung, die nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Frankreich und Deutschland stattfindet und zur gegenwärtigen politischen, sozialen und ökologischen Lage von internationaler Brisanz. So ist das Amazonasbecken einerseits ein Naturraum, zu dem mehrere Länder gehören, andererseits hat es weltweiten Einfluss, was dort passiert. Zudem verändert auch die westliche Welt die Regenwälder. Kauft keine Produkte aus Amazonien, sagt die Brasilianerin Vandria Borari. Sie ist Angehörige des gleichnamigen Volkes, Aktivistin und Rechtsanwältin und als Keramikerin war sie bis Ende Oktober für mehrere Monate Gast des Programms atelier mondial in Basel.

In den Ausstellungen und Filmvorführungen geht es viel um die Zerstörung des Regenwaldes, illegalen Bergbau und Rodungen und um Entkolonialisierung. Victor Moriyama hat für renommierte Zeitungen und Magazine all das dokumentiert. Seine Fotos sind in der Brasilea zu sehen (11.11.2021-28.2.2022). „Mein Ziel ist es, dass meine Fotos eine Wirkung auf die Öffentlichkeit haben und eine Reaktion auslösen, so dass wir die Behörden und Unternehmen zwingen können, Massnahmen zu ergreifen und eine ordnungsgemässe, nachhaltige Waldbewirtschaftung umzusetzen“, schreibt Moriyama. Dass ein solches Engagement durchaus Erfolg haben kann, hat Claudia Andujar bewiesen. Galten die ersten Jahre, die sie bei den Yanomami verbrachte, noch dazu, diese besondere Lebensweise zu verstehen und eine entsprechende Foto-Ästhetik zu finden, widmete sie sich später dem politischen Kampf für Brasiliens Indigene. Mit Erfolg: 1992 sicherte die Regierung den Yanomami ihr Gebiet. Doch Konflikte mit illegalen Goldsuchern, die zudem Malaria und Covid-19 einschleppen, haben sich zuletzt verschärft. (Inside the Amazon, Kunsthaus Baselland 5.11.2021 bis 2.1.2022, Fotomuseum Winterthur, bis 13.2.2022).

Wer es ernst meint mit der Auseinandersetzung mit Amazonien, bekommt es mit Denkweisen zu tun, die dem kapitalistischen Fortschrittsoptimismus und dem Besitzstreben widersprechen. Chonon Bensho etwa, die derzeit im Kloster Schönthal (bis 14.11.), ihre Textilarbeiten zeigt, kommt aus einer Familie, die das Wissen um die Kräfte der Pflanzen von Generation zu Generation weitergibt. Sie studierte Kunst, legte aber ihre Abschlussarbeit in der traditionellen Sticktechnik ab. Eine ganz andere Geschichte erzählt die Kollaboration, die das Salts initiiert hat. Sie hat sich die Dörfer und Gemeinschaften im Amazonasgebiet zum Thema gemacht, die von Sklaven gegründet wurden und die das komplizierte Verhältnis zum afrikanischen Ursprung vieler Brasilianerinnen und Brasilianer aufgreifen (bis 30.10.).