zeige deine Wunde: Eva Huttenlauch über den wegweisenden Ankauf eines Beuys-Werks

joseph Beuys Lenbachhaus
Bilder: Joseph Beuys, zeige deine Wunde, 1976, © Joseph Beuys Estate/VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Lenbachhaus
Thema > Joseph Beuys 2021
10. Mai 2021
Text: Eva Huttenlauch

Joseph Beuys: zeige deine Wunde. Plakate und Environments aus der Sammlung Lothar Schirmer und dem Lenbachhaus.
Lenbachhaus, Luisenstr. 33, München.
www.lenbachhaus.de

„Die Idee, ein Environment im so genannten Kunstforum, einer Unterführung unter der Maximilianstraße, aufzustellen, ging auf Beuys‘ Galeristen Bernd Klüser und Jörg Schellmann zurück. Beuys hat dann 1976 seine Arbeit zeige deine Wunde entwickelt. Das Kunstforum wurde vom Lenbachhaus verwaltet und sein damaliger Direktor, Armin Zweite, wollte 1979 die Arbeit ankaufen.

Um diesen Ankauf entwickelte sich ein regelrechter Kulturkampf in München. Eigentlich wünscht man sich, dass auch heute derart über Kunst und was Kunst eigentlich ist, gestritten wird. Der Streit wurde von den Bürgerinnen und Bürgern und dem konservativen Teil des Stadtrats sehr polemisch geführt. Eine Zeitungsschlagzeile lautete, das sei der teuerste Sperrmüll aller Zeiten. Der Kulturreferent, der den Ankauf befürwortet hatte und Armin Zweite konnten sich durchsetzen und zeige deine Wunde wurde zur Hälfte mit Mitteln des Lenbachhauses, zur Hälfte mit der Hilfe eines privaten Mäzens angekauft.

Beuys wusste, was es heißt verwundet zu sein, weil er selbst vom Krieg gezeichnet war. Der Gesellschaft seine Wunden zu zeigen, hieß zu sagen: öffne dich. Er hat später gesagt, nur wer seine Wunden zeigen kann, kann auch geheilt werden.

Dieser Ankauf hat in der Münchner Kunstszene eine Welle ausgelöst, alle merkten, da tut sich plötzlich was. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das Lenbachhaus nur Arbeiten von Münchner Künstlerinnen und Künstlern angekauft. Beuys war ein wichtiger Impulsgeber, seit dem Ankauf seiner Arbeit wird zeitgenössische Kunst internationaler Künstlerinnen und Künstler gesammelt.“

— Eva Huttenlauch leitet seit 2014 den Bereich Kunst nach 1945 am Münchner Lenbachhaus.