Tarot. Eine visuelle Geschichte des okkulten Kartenspiels

Jerica Mandybur, The Emperor, 2019, Courtesy the artist
Bücher
6. Mai 2021
Text: Nora Gantert

Jessica Hundley, Johannes Fiebig, Marcella Kroll: Tarot.
Taschen Verlag, Berlin 2020, 520 S., 30 Euro / 44.90 Franken.

www.taschen.com

Mieke Marple, Justice (Angela Davis), aus: Art World Tarot Edition II, 2018), Courtesy the artist and Ever Gold Projects
Alejandra Luisa León, The Hanged Woman, aus: The Lioness Oracle Tarot, Courtesy the artist, © Alejandra León
Francesco Clemente, Ace of Cups, 2008-2011, aus: The Tarots, Courtesy the artist, © Francesco Clemente Studio
Serpentfire, The Hanged Man, 2019, Courtesy the artist
Covermotiv, Courtesy Taschen.com

Der Narr, die Hohepriesterin und der Erhängte – wem diese drei Figuren bekannt vorkommen, der kennt das Spiel mit den Tarotkarten. Wie fruchtbar diese Weisagetechnik immer wieder für Künstler*innen war, zeigt der von Jessica Hundley herausgegebene umfangreich bebilderte Katalog TAROT. „Tarot hilft uns zu verstehen, wie ein spirituelles Leben in einer materiellen Welt aussehen kann“ schreibt die Künstlerin Penny Slinger im Vorwort. Die Karten verraten die Zukunft, leiten bei Alltagsentscheidungen und geben Hinweise auf alles was uns in unserem Leben im Verborgenen liegt – soweit die Theorie, das Versprechen, das uns die Tarotkarten geben. Aber wie kam es zu diesem traditionsreichen Spiel? Dieser erste Band der Bibliothek der Esoterik vermittelt die kunst- und kulturgeschichtlichen Hintergründe, stellt die verschiedenen Entwicklungsschritte vor und wendet sich im Hauptteil der künstlerischen Gestaltung der Karten zu. Der Band bezeugt fast beiläufig die transkulturelle Bedeutung der Tarotkarten, so wird beim Durchstöbern der Fülle an Bilder deutlich, dass eine künstlerische Auseinandersetzung mit den historischen Vorlagen nicht nur in Europa, sondern auf allen Kontinenten stattgefunden hat. Collagen, Aquarelle, Drucke, Fotografien, alle künstlerischen Mittel wurden für die Gestaltung herangezogen: Salvador Dalí gestaltete 1984 sein „Dali Universal Tarot“ mit surrealistischen Collagen kunsthistorischer Altmeister und seiner eigenen Werke. Mieke Marple entwickelte 2018 das „Art World Tarot“, in dem sie die Personen des großen Arkana von wichtigen Personen aus dem Kunst- und Kultursektor repräsentieren lässt. Julia Noonan und Julia Remine Piggin verwenden Popsongs als Motive in ihrem „Pop Rock Tarot“ aus dem Jahr 1970. So fließen ganz unterschiedliche Zeiten und Symboliken zu einem magische Bilderfluss zusammen, sodass die individuell gestalteten Karten, der schöne Druck und die kurze Anleitung zum Kartenlegen, Lust machen es einmal selbst auszuprobieren, um zu sehen was die Karten uns zu sagen haben.