Katja Davar: Zeichnung als Tanz

Katja Davar, aus: Kalalog zu Electric Spinning Gazes / Notes on a Flockering Stage, Snoeck Verlag, 2020, S. 12-13, Courtesy the artist
Bücher
16. März 2021
Text: Annette Hoffmann

Katja Davar.
Snoeck Verlag, Köln 2020, 192 S., 39,80 Euro / ca. 48.90 Franken.

www.snoeck.de

 

Ob es schon die Zeitgenossen bemerkt hatten? Loie Fullers Schleiertänze hatten etwas, das der Moderne widersprach, obgleich sie den Tanz für sie öffnete. Da waren die meterlangen Bahnen an Stoff, die sie um ihren Körper schwang und die bizarren Formen, die ihr dabei gelangen. Sehr barock, fast ein bisschen manieristisch und so gar nicht linear. Und da sie mit verschiedenen Beleuchtungen experimentierte, bot sich ihre Kunst zudem für den Film an. Auch für die 1968 in London geborene Katja Davar ist die Tanzpionierin der Jahrhundertwende ein Bezugspunkt. Davar zeichnet, doch daraus zu folgern, dass sie an der bloßen Linearität interessiert sei, wäre falsch. Davar schafft Zeichnungen, Bilder und Installationen, die durchaus amorph sind und die Faltungen und Bauschungen von Stoffen und Kostümen aufgreift. Dabei bezieht sie gleichermaßen biologische Vorstellungen mit ein wie auch die Malerei eines Matthias Grünewald und der Renaissance. Die Publika­tion, die zu Davars Ausstellungen im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl und im Kunstverein Heilbronn erschienen ist, erzählt eine andere Geschichte der Moderne.